Lesen und Rechtschreibung verbessern

Rechtschreibung verbessern: Das Tüpfelchen auf dem i

Was für ein Ärgernis! Tagelang haben Sven und sein Vater das neue Diktat geübt. Sie haben sich die schwierigen Stellen angesehen, farbig markiert und anspruchsvolle Wörter intensiv trainiert. Nur mit den Buchstaben i, ü, ä und ö will es noch nicht so richtig klappen. Immer wieder vergisst Sven die Punkte über dem i und den Umlauten. Er schreibt lost statt löst, Aste statt Äste und Bucher statt Bücher. Wie lassen sich solche „Flüchtigkeitsfehler“ verhindern?

Wenn Kinder im Diktat ähnlich arbeiten wie Sven ist Frust oft vorprogrammiert. Der Text sitzt eigentlich, die schwierigen Wörter wurden ausreichend geübt, aber durch die fehlenden Punkte über dem I und den Umlauten entstehen dennoch eine Reihe von Fehlern. Dieser Fehlertyp lässt sich jedoch relativ leicht durch kurze Übungen beheben.

1.Schritt: Schriftfluss überprüfen

Ein Großteil der Kinder, denen der oben beschriebene Fehlertyp häufig unterläuft, arbeitet mit einem ungünstigen Schriftfluss. Diktiert die Lehrkraft das Wort „Bäume“, so schreiben sie zuerst das vollständige Wort „Baume“ und setzen anschließend die Pünktchen über dem „a“. Diese Vorgehensweise ist deshalb ungünstig, weil der letzte Schritt gerade unter Zeitdruck sehr häufig in Vergessenheit gerät. Das Kind schreibt „Baume“, hört bereits das nächste diktierte Wort und geht zu diesem über ohne das „a“ noch als Umlaut zu kennzeichnen. Es unterlaufen deutlich weniger solcher Fehler, wenn Kinder dazu angeleitet werden, die Punkte sofort zu setzen. Und so könnte das aussehen:

Vater: „Sven, wir haben das Diktat jetzt wirklich gut geübt. Ich freue mich, dass das schon so gut klappt. Ich würde mir gerne noch mit dir anschauen, wie wir die Flüchtigkeitsfehler mit den Pünktchen vermeiden können. Das haben wir gestern ja gesehen, dass das schwierig ist…

Sven: „Ich weiß…das hat die Lehrerin beim letzten Mal auch druntergeschrieben, dass ich da besser aufpassen muss.“

Vater: „Ich kenne da einen Trick… Soll ich ihn dir vielleicht zeigen?“

Sven: „Ok.“

Vater: „Warte, ich suche kurz ein schwieriges Wort aus dem Diktat (überfliegt den Text)… ah hier: träumen… da war es schwierig an die Punkte zu denken, gell? Ich sehe hier, du hast „traumen“ geschrieben… Wollen wir uns das gemeinsam anschauen?“

Sven: „Also gut…“

Vater: „Der Trick ist ganz einfach. Im Moment schreibst du so (schreibt und buchstabiert laut): t-r-a-u-m-e-n. Was fehlt jetzt noch?“

Sven: „Die Punkte. Du hast jetzt auch „traumen“ geschrieben (grinst).“

Vater: „Genau. Dann muss ich am Ende nochmal kontrollieren, wo jetzt noch Punkte fehlen. Aber im Diktat ist das ganz schön schwierig, weil da ja alles so schnell geht…“

Sven: „Ja das stimmt. Die Lehrerin diktiert so schnell, da komm ich oft nicht hinterher.“

Vater: „Das kann ich gut verstehen, ist auch wirklich nicht einfach. Aber ich zeig dir jetzt den Trick mit dem es einfacher geht. Nehmen wir nochmal das Wort „träumen“. Wenn ich „träumen“ schreiben soll, dann mache ich das so: t-r-a -dann setze ich gleich die Pünktchen, u-m-e-n. Probier das mal!“

Sven: „Also ich soll gleich die Pünktchen hinschreiben, ja? Hast du deswegen das ä in einer anderen Farbe geschrieben?“

Vater: „Genau, weil das der Trick ist. Bei ü, ä, ö, i Pünktchen gleich setzen, dann vergess ich sie nie! Wollen wir dazu eine Trick- Karte mit dem Reim schreiben?“

Sven: „Na gut.“

Vater: „Ich habe hier eine rote Karteikarte, da können wir es draufschreiben. Hier ist ein dicker Stift. Also: Bei ü, ä, ö, i Pünktchen gleich setzen, dann vergess ich sie nie!

Sven schreibt…

Vater: „Super. Komm wir schauen mal, ob dir der Trick auch hilft. Fangen wir an mit „träumen“

Sven (schreibt und buchstabiert): t- r- (zögert kurz) a (setzt die Punkte)- u-m-e-n.

Vater: Sehr gut. Komm mir machen gleich noch die anderen schwierigen Wörter…

In den kommenden Übungseinheiten achtet der Vater darauf,

  • Sven am Anfang nach dem „Trick“ auf der Trickkarte zu fragen
  • Wörter zu diktieren, bei denen ein i, ä, ö oder ü vorkommt
  • Wörter während einer Einheit immer wieder zu repetieren
  • Zu kontrollieren, ob Sven den „Trick“ anwendet

2. Schritt: An der Geschwindigkeit arbeiten

Hat das Kind diesen neuen Schriftfluss automatisiert so dass es nicht mehr bewusst über „den Trick“ nachdenken muss, kann in einem zweiten Schritt an der Geschwindigkeit gearbeitet werden. Viele Eltern und ihre Kinder haben mit der folgenden Übung gute Erfolge erzielt:

  1. Kopieren Sie einige Seiten aus dem Lesebuch Ihres Kindes oder einem Buch, das Ihr Kind gerne mag- manche Eltern arbeiten gerne mit Texten aus dem Buch „Pünktchen und Anton“, weil hier relativ viele Umlaute auftauchen.
  2. Überdecken Sie im Text alle Pünktchen über den Buchstaben „ü, ä, ü und i“ mit Tipp-Ex
  3. Kopieren Sie die auf diese Weise erstellten Übungsblätter, damit man nicht mehr sieht, an welchen Stellen der Text verändert wurde.
  4. In den Übungseinheiten (maximal 10 Minuten pro Tag) werden die Übungsblätter bearbeitet. Es empfiehlt sich, dasselbe Übungsblatt mehrmals zu bearbeiten, damit ein Trainingseffekt eintritt und das Kind Erfolge erlebt. In einem ersten Schritt wird das Kind dazu angeleitet, den Text so schnell und so genau wie möglich Wort für Wort zu lesen. Seine Aufgabe besteht darin, die fehlenden Pünktchen mit einem farbigen Stift einzuzeichnen (am besten demonstrieren Sie Ihrem Kind das Vorgehen anhand der ersten Zeile). Für Kinder, die Freude an Wettbewerben haben, kann man die Zeit stoppen und jeweils in eine „Erfolgsgrafik“ eintragen, wie viele Wörter sie bearbeitet und wie viele Pünktchen sie richtig gesetzt haben. Auf diese Weise lernen Kinder nicht nur mit Zeitdruck umzugehen, sondern können auch ihre Fortschritte genau beobachten.  

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Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler sind Psychologen und leiten gemeinsam mit die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Beide eint eine große Leidenschaft für das Schreiben von Büchern und für die Entwicklung neuer Projekte.

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

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