Kinder motivieren

Motivation 4: Konsequent reagieren

Wenn ein Kind die Folgen seiner Handlungen erlebt, kann es mit der Zeit besser einschätzen, welche Verhaltensweisen gut und welche weniger zielführend sind. 

Unser Verhalten - positives wie negatives - hängt stark von den Folgen ab, die es hat. Meist verhalten wir uns so, wie wir dies tun, weil dieses Verhalten nützlich ist. Dabei spielen kurzfristige Folgen eine viel grössere Rolle als langfristige.

Welche Folgen hat es, wenn ein Kind: 

  • selbständig arbeitet?
  • sich weigert und tobt?
  • weint?
  • gut mitmacht und sich anstrengt?

Die Antwort auf diese Frage ist meist auch ein wichtiger Schritt zur Lösung eines Motivationsproblems. Denn: Positive Folgen machen es wahrscheinlicher, dass ein Verhalten auftritt und sie steigern dessen Dauer und Intensität. Negative Folgen bewirken genau das Gegenteil. Sie lassen ein Verhalten unwahrscheinlich werden. Dabei sind die kurzfristigen Folgen für die Steuerung des Verhaltens sehr viel wichtiger, als die langfristigen. 

Falls Ihr Kind oder ein Schüler ein unerwünschtes Verhalten zeigt, können Sie sich zunächst fragen: Wird dieses Verhalten irgendwie belohnt?Und sich dann zu überlegen: 

  • Wie sollte sich das Kind stattdessen verhalten? 
  • Hat dieses erwünschte Verhalten auch wirklich positive Folgen für das Kind und sagen wir dem Kind auch deutlich, was wir erwarten?
Und so können Sie vorgehen .. 

1. Legen Sie ein Ziel fest

Dies könnte z.B. folgendermassen lauten: Mein Kind soll selbständiger werden.

Legen Sie dabei fest, was Sie darunter verstehen: Rahel soll ihren Rucksack selbst auspacken, die Hausaufgaben bereitlegen und die einfacheren Aufgaben selbständig lösen, bevor Sie mich ruft.

2. Analyse

Überlegen Sie, welche Vorteile Ihr Kind oder Ihr Schüler von seinem aktuellen Verhalten haben könnte. 

Beim Beispiel mangelnde Selbständigkeit stelle ich z.B. immer wieder fest, dass es Kinder gibt, die die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Eltern sehr geniessen. Eine 10 jährige meinte bei einer Beratung zu mir: "Meine Mami hat wenig Zeit für mich, aber für die Schule schon." Die Mutter und ich waren ziemlich erstaunt über diese scharfsinnige Antwort. 

Es gibt also Kinder, die lernen: Wenn ich unselbständig bin, nimmt sich meine Mutter Zeit für mich. Andere Kinder werden durch die Hilfe schneller mit den Hausaufgaben fertig, oder erleben dabei weniger Gefühle von Unsicherheit und Überforderung. 

Was also nützt es dem Kind, sich so und nicht anders zu verhalten?

Die gleiche Frage können Sie sich für das erwünschte Verhalten stellen. Was nützt es dem Kind, wenn es selbständiger ist? Falls dabei aus der Perspektive des Kindes herauskommt: Wenn ich selbständig bin, nimmt sich meine Mutter weniger Zeit für mich, habe ich länger an diesen blöden Hausaufgaben und ich muss mich mit Schwierigkeiten herumschlagen, dann lohnt es sich einfach nicht.

Abstrakte und langfristige Vorteile wie z.B. die Vorbereitung auf das Berufsleben etc. sind für Kinder keine Vorteile, die gross etwas bedeuten. Erklärungen in diese Richtung nützen deshalb nichts ("Später im Berufsleben kannst du ja auch nicht immer den Chef fragen etc."). Worauf geachtet werden muss, ist, dass das erwünschte Verhalten für das Kind auch kurzfristig vorteilhafter ist.  

3. Veränderung

Die Veränderung ergibt sich oft aus der Analyse - es muss nur darauf geachtet werden, dass das erwünschte Verhalten für das Kind vorteilhafter ist, als das unerwünschte. Im Beispiel von Rahel würde dies bedeuten: Rahel muss erkennen, dass es für sie nützlicher ist, die Hausaufgaben selbständig zu erledigen. Ist Rahel die gemeinsam verbrachte Zeit wichtig, könnte ihre Mutter z.B. vorschlagen:

  • Weisst du was, wir bringen die Hausaufgaben jetzt zuerst in eine Reihenfolge von einfach bis schwierig und du arbeitest solange alleine, bis die Aufgaben zu schwierig werden. Wir stoppen dabei die Zeit, in der du selbständig arbeitest. Solange nehme ich mir dann nachher für dich Zeit und du kannst sagen, was wir in dieser Zeit machen.

Eine andere Mutter fand bei der Analyse heraus, dass ihre Tochter vor allem unsicher ist und keine Fehler machen möchte. Mit Hilfe des gezielten Lobs begann sie deshalb, das Kind stärker für selbständiges Verhalten zu loben, statt für das richtige Erledigen der Hausaufgaben. Gleichzeitig achtete sie darauf, dass sie Fehler stehen liess oder - sofern das Kind eine Korrektur wünschte, schnell und ohne kritische Kommentare die richtigen Antworten besprach.

Im Rahmen unseres Elternkurses und der Einzelberatungen haben wir immer wieder die Erfahrung machen dürfen, dass sich bei Kindern schnellere und grössere Veränderungen in die richtige Richtung ergeben, wenn dem erwünschten Verhalten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, dieses gelobt und wertgeschätzt und durch gemeinsame Erlebnisse belohnt wird, als wenn das unerwünschte Verhalten bestraft wird. Trotzdem sind auch Regeln und Grenzen für Kinder sehr wichtig - auf dieses Thema werden wir jedoch zu einem späteren Zeitpunkt in einem gesonderten Artikel eingehen.

Autorenteam

fabian und stefanie 3

Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler leiten die Akademie für Lerncoaching und sind Autoren der folgenden Bücher:

         

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Akademie für Lerncoaching
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8048 Zürich

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