Kinder motivieren

Motivation 3: Grenzen setzen

Grenzen geben  einem Kind Sicherheit und einen geschützten Rahmen, in dem es sich entwickeln kann. Was Sie dabei beachten sollten erfahren Sie hier.

Geht es Ihnen auch manchmal so: 
Es ist wieder einmal Nachmittag und ich habe immer noch im Kopf, dass die Hausaufgaben noch gemacht werden müssen. Ich habe bereits vieles versucht: leichtere Übungen mit meinem Kind zu machen (solche die es eigentlich lösen könnte), auf Positives zu achten und Erfolge rückzumelden... Aber irgendwie hat das noch nicht viel geholfen... Ich muss immer noch ständig hinten dran sein und ehe ich mich versehe bin ich wieder in eine von diesen mühsamen, aufreibenden Diskussionen verwickelt. Was kann ich noch tun?

Eindeutig kommunizieren

Kinder sind eher bereit, mitzuarbeiten, wenn wir Forderungen klar, unmissverständlich und mit fester Stimme vorbringen.

Beispiel:
  • „Ich möchte, dass du dich jetzt hinsetzt, mit den Hausaufgaben beginnst und dir Mühe gibst. Ich diskutiere nicht mit dir!“
In diesem Beispiel wird klar, was wir von unserem Kind verlangen. Sind wir einmal in eine Diskussion geraten, dann fällt es uns oft schwer klar zu bleiben. Die Emotionen kochen hoch und wir hören uns sagen: „Diese ewigen Streitereien sind echt zum verrückt werden! Jetzt hör’ endlich auf damit!“

Die Wut abkühlen lassen

Eine Phase des Abkühlens hilft, wenn intensive negative Emotionen erlebt werden. Durch eine „Auszeit“ kann aus einer Sache der Wind herausgenommen werden, um zu einem späteren Zeitpunkt eine vernünftige Problemlösung in Angriff zu nehmen.

Beispiel: 
Der Hausaufgabenkampf eskaliert. Das Kind nimmt die Forderung nicht ernst, erfindet Ausreden oder will den Platz verlassen. Wir spüren wie die Wut in uns hochsteigt: „Verdammt noch mal! Manchmal könnt ich dich echt an die Wand klatschen“.
Jetzt müssen wir aufpassen. Wahrscheinlich gelingt es uns jetzt nicht einen klaren Kopf zu behalten. Jetzt können wir zum Beispiel sagen:
 
„Ich will nicht, dass wir so miteinander umgehen. Das regt mich dermassen auf, ich brauch jetzt ein paar Minuten, um mich wieder zu sammeln. In fünf Minuten reden wir dann miteinander“ (Einer von beiden verlässt den Raum. )
 
Wir können uns hier entscheiden selbst raus zu gehen oder das Kind auf sein Zimmer zu schicken. Diese Auszeit ist nicht nur gut um wieder zu sich zu kommen, sondern auch um sich zu überlegen wie wir reagieren wollen, wenn das Kind wieder nicht mitmachen will.

Widerstand vom Kind ins Leere laufen lassen

Kinder können uns in ewige Diskussionen verwickeln, wenn es um das Thema Hausaufgaben geht. Das Problem ist: Wir lassen uns meist darauf ein und beginnen mit dem Kind zu argumentieren. Damit bewegen wir uns von den Hausaufgaben weg - das Kind bekommt die Möglichkeit, diese hinauszuzögern und immer neue Gegenargumente zu erfinden. Mit der Zeit werden immer die gleichen Argumente auf beiden Seiten abgespult. Jetzt kann es helfen, sich nicht mehr in Diskussionen verwickeln zu lassen und den Widerstand ins Leere laufen zu lassen.
Beispiel :
  • „Ich möchte dass du dich mit mir hinsetzt und diese Aufgabe anschaust.“ Kind: „Aber ich kann es doch nicht!“ „Ich möchte dass du es versuchst.“ Kind: „Nein Mama! Ich will nicht!“ Die Mutter geht nicht weiter auf das Kind ein. Ein letztes mal wieder holt sie „Ich möchte, dass du es versuchst!“, schaut dann auf das Arbeitsblatt und schenkt dem Kind keine weitere Aufmerksamkeit.
Hier ist es besonders wichtig durchzuhalten. Es fällt uns oft schwer nicht weiter auf das Kind einzugehen - gerade weil Kinder kurzfristig noch vehementer versuchen, uns erneut in das Streitgespräch zu verwickeln. Reagieren wir jedoch nach einen paar Minuten dennoch, so lernt unser Kind, dass es nur hartnäckig genug sein muss, um uns wieder für sein „Vermeidespiel“ zu gewinnen. Ausserdem funktioniert es nur dann, wenn das Kind am Tisch sitzen bleibt. Steht es auf und spielt einfach etwas, dann bringt das Ignorieren nichts mehr. Wir können dann versuchen das Kind kommentarlos an den Platz zurück zu führen. Hilft das auch nichts bleiben noch die Konsequenzen, die manchmal auf ganz natürliche Art und Weise aus der Situation folgen oder auch von uns ganz bewusst gewählt und eingesetzt werden können.
Ich kann Sie aber ermutigen. Oft genügt das klare Formulieren einer Forderung und das „ins Leere laufen lassen“ eines jeglichen Versuchs des Kindes diese Forderung zu missachten.  

Natürliche Konsequenzen zulassen

Hier geht es darum, das Kind die Folge seines Fehlverhaltens spüren zu lassen. Soweit wir es aushalten die Folgen nicht wieder auszubügeln, kann das Kind ohne unser Zutun eine wichtige Lernerfahrung gewinnen.
Beispiel:
Natürliche Konsequenzen sind nur in machen Situation gegeben, wie beispielsweise bei Unachtsamkeit (etwas kaputt machen oder verlieren), bei Vergesslichkeit oder bei Trödeln.
Ist unser Kind beispielsweise sehr langsam und wir haben keine Lust mehr, jeden Morgen das gleiche Theater durchspielen zu müssen... Aufstehen, Frühstücken, Zähneputzen – es dauert einfach ewig und wir können kaum dabei zuschauen... jetzt können wir wie jeden Tag alles dransetzen, damit unser Kind doch noch rechtzeitig in die Schule kommt. Wir können es mit dem Auto hinfahren, weil es den Schulbus schon längst verpasst hat oder: 
  • Wir können uns entscheiden, dass es eben heute zu spät in die Schule kommen wird.
Es wird im zweiten Fall wohl nicht lange dauern, bis unser Kind spürt, dass es unangenehm ist, zu spät zur Schule zu kommen. Wichtig ist dabei, dass für unser Kind deutlich wird, dass es sich nicht darauf verlassen kann, dass wir es als Eltern schon richten werden.  

Logische Konsequenzen folgen lassen

Kinder testen uns oft. Sie wollen wissen, ob das was wir von ihnen mit Worten fordern oder das was wir als eine Regel mit Worten vereinbart haben auch wirklich Bestand hat – sie wollen wissen, ob wir es auch wirklich ernst meinen. Mit logischen Konsequenzen können wir unseren Worten durch Taten Nachdruck verleihen. Sie ergeben sich aus einer Regel, die wir zuvor aufgestellt haben.
  • Wenn wir uns für unser Kind Zeit nehmen, um es bei den Hausaufgaben zu unterstützen, dann können wir beispielsweise folgende Regel aufstellen: „Nach dem Mittagessen habe ich Zeit, dir bei den Hausaufgaben zu helfen. Ich rufe dich einmal. Wenn du nicht kommst oder mit mir anfängst zu diskutieren, dann hast du die Chance für heute verpasst."

Wird die Hilfe nicht rechtzeitig in Anspruch genommen folgt die logische Konsequenz, dass wir für heute nicht mehr helfen.

Selbst gesetzte Konsequenzen

Lassen sich weder natürliche noch logische Konsequenzen einsetzen oder reichen diese nicht aus (beispielsweise weil das Kind die Hausaufgaben einfach immer morgens bei einem Klassenkameraden abschreibt und es sich deshalb gar nicht daran stört, wenn wir an einem Tag nicht mehr helfen), dann müssen wir uns etwas anderes überlegen. Das Kind sollte spüren, dass es uns wichtig ist, dass es sich an unsere Forderung hält und wir respektvoll miteinander umgehen. Weigert es sich weiterhin, sollten wir uns überlegen, ob es etwas gibt, dass das Kind gerne macht und das wir ihm für eine Zeit verbieten können.
 
Beispiel:
  • „Ich möchte, dass du jetzt mitmachst. Setze dich bitte richtig auf den Stuhl und gib dir Mühe die Aufgabe zu verstehen“ Das Kind reagiert nicht. „Ich möchte, dass du es versuchst! Wenn du dich weiterhin weigerst, dann darfst du heute nicht mehr Fernsehen. Ich diskutiere auch nicht mit dir!“
Wichtig ist, dass wir darauf achten, dass die Konsequenz:
  • angekündigt wird und das Kind eine letzte Chance erhält
  • möglichst bald - sicher aber noch am gleichen Tag - erfolgt
  • für das Kind unangenehm, aber nicht schädlich ist (soziale Kontakte sollten wir beispielsweise nicht verbieten) 
Fernsehen oder Computerspiele bieten sich hier gut an. Die meisten Kinder sind nahezu versessen darauf und ein oder zwei Tage ohne haben noch keinem Kind geschadet. Vorraussetzung ist natürlich, dass das Kind normalerweise ein bisschen Fernsehen oder Computerspielen darf. Vielleicht haben Sie aber auch eine andere Idee?
 
Grundsätzlich fahren wir besser, wenn wir zuerst die oben genannten Möglichkeiten versuchen, bevor wir negative Konsequenzen ankündigen. Wir müssen nun nämlich alles daran setzen, dass sie auch wirklich durchgesetzt werden. Sind wir zum Beispiel am Nachmittag nicht zu Hause und können deshalb nicht dafür sorgen, dass der Fernseher aus bleibt, dann verliert die Strafe ihre Wirkung. Es ist also wichtig, dass wir nicht zu viele Regeln aufstellen, sonst sind wir den ganzen Tag damit beschäftigt für ihre Einhaltung zu sorgen.
 
Welche Regeln bedeuten uns viel? Was ist uns wichtig am Zusammenleben in der Familie? Wofür sind wir bereit uns hinzustellen, etwas von unserem Kind zu fordern und um jeden Preis für die Einhaltung zu sorgen, auch wenn es schwierig ist?
Um solche schwierigen Momente des „hart bleibens“ durchzustehen, halten wir uns zum Schluss kurz vor Augen, warum Kinder Regeln brauchen.

Warum brauchen unsere Kinder Grenzen?

Regeln geben Kindern Halt und Sicherheit. Wenn ein Kind eine Regel überschreitet, dann versucht es herauszufinden, ob diese Regel auch tatsächlich gilt. Indem wir etwas sagen und den Kindern, wenn sie es herausfordern, durch unsere Handlungen zeigen, dass wir es auch wirklich so meinen, lernt dass Kind, dass es sich auf uns verlassen kann. 
In unserer Gesellschaft gibt es viele Regeln. Wir verlassen uns darauf, dass ein jeder bei einer roten Ampel stoppt, dass die Lehrer pünktlich in die Schule kommen oder dass man sich hinten anstellt, wenn mehrere Menschen an einer Kasse warten. Auch in der Famile helfen uns Regeln, für ein respektvolles und schönes Zusammenleben zu sorgen. 
Die Forschung konnte zeigen, dass Kinder, deren Eltern ihnen ein hohes Mass an Wertschätzung entgegen bringen, die aber auch auf die Einhaltung von Regeln Wert legen, zu erfolgsmotivierten und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen.

Der Artikel basiert auf den Büchern "Freiheit in Grenzen" von Prof. Klaus Schneewind.

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