Kinder motivieren

Mein Kind - ein Minimalist

Viele Eltern ärgern sich darüber, dass ihre Kinder nicht dazu bereit sind, mehr als das absolute Minimum zu machen. Die Hausaufgaben werden schnell und schludrig erledigt und für die Prüfungen wird kaum gelernt. Wie können Eltern dieser Haltung begegnen?

Klare Forderungen stellen

Bei Vorträgen und Seminaren betonen uns gegenüber viele Eltern, dass sie keinen Druck machen wollen. Wir finden es schön und gut, wenn man Kindern keinen Leistungsdruck aufsetzt, der Stress und Ängste auslöst. Das bedeutet aber nicht, dass man als Eltern auf jede Forderung verzichten sollte.

Wenn wir unsere Kinder fordern wollen, ohne Ängste zu schüren, müssen wir nur darauf achten, wie die Forderung aussieht. Die Forderung nach guten Noten führt deshalb bei vielen Kindern zu Ängsten, weil es von vielen Faktoren abhängt, wie die Prüfungsresultate aussehen. Das Kind kann das Resultat höchstens beeinflussen, aber nicht kontrollieren. Bezieht sich die Forderung jedoch auf die Vorbereitung, kann das Kind dieser nachkommen. Diese könnte beispielsweise lauten: Die Hausaufgaben werden vor dem Abendessen und sorgfältig erledigt. Oder: Mit der Vorbereitung von Prüfungen wird drei Tage vor der Prüfung begonnen.

Viele Kinder und Jugendliche können mit klaren Forderungen mehr anfangen als mit ständigen Diskussionen. Viele Eltern möchten nämlich, dass der Jugendliche „von sich aus will und motiviert ist“. Wenn wir jedoch genauer hinschauen, bedeutet dies: Der Jugendliche „soll von sich aus wollen, was wir von ihm wollen.“ Das ist etwa so, als würde uns jemand sagen: „Du musst die Steuererklärung ausfüllen – das reicht aber nicht, du musst es auch noch wollen.“ Es „selbst wollen dürfen zu müssen“ ist keine Freiheit und wir würden uns zu Recht dagegen wehren.

Lob der Anstrengung anstatt der Intelligenz

Ein anderer Satz, den wir oft hören, lautet: „Er ist sehr klug und könnte es – aber er ist einfach ein Minimalist“.

Diesen Satz finden wir problematisch. Einerseits, weil dabei feste Zuschreibungen vorkommen (das Kind „ist ein Minimalist“ anstatt  „das Kind lernt im Moment zu wenig“). Andererseits, weil die Intelligenz betont wird.

In einer spannenden Untersuchung der Professorin Carol Dweck wurden Kindern unterschiedliche Erklärungen für ihre Leistungen gegeben. Die einen Kinder wurden für ihre Intelligenz gelobt, andere dafür, dass sie sich Mühe gegeben haben, während eine dritte Gruppe von Kindern nicht gelobt wurde. Die Kinder, die für ihre Anstrengungen gelobt wurden, waren nach dem Lob bereit, sich mehr anzustrengen als die Kinder, die kein Lob erhielten. Bei den Kindern, die für ihre Intelligenz gelobt wurden, trat genau das Gegenteil ein: Sie waren weniger bereit, sich Mühe zu geben als die Kinder, die gar nicht gelobt wurden.

Weitere Untersuchungen bestätigen, dass Kinder zu Minimalisten werden, wenn ihnen regelmässig zurückgemeldet wird, dass ihre Leistungen auf ihre Begabung oder Intelligenz zurückzuführen sind. Diese Kinder bauen das Konzept auf, dass Leistung wenig mit Arbeit und Anstrengung zu tun hat und sind daher auch weniger bereit, sich zu investieren. Auf der anderen Seite gibt es mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Kinder sich mehr Mühe geben, wenn ihre Eltern ihnen konsequent Wertschätzung und Anerkennung für ihre Bemühungen zeigen und aufhören, die Leistungen ihrer Kinder mit Konzepten wie Begabung und Intelligenz zu erklären. 

Nicht nörgeln, sondern fordern

Viele Jugendliche nervt das ständige Nörgeln ihrer Eltern. Verständlicherweise…

Nörgeln findet beispielsweise in Form von überflüssigen Kommentaren statt, wenn der Jugendliche mit der Prüfung nach Hause kommt, wie: „Da wäre doch mehr möglich gewesen.“

Stellen Sie sich vor, wie es wirkt, wenn ihnen die Kinder und der Partner, die Partnerin sagen: „Kochst du morgen mal wieder xy? Das wäre toll.“ Auch wenn dieses Menü Zeit kostet, könnten Sie versucht sein, es vorzubereiten.

Auf der anderen Seite: Nimmt Ihre Motivation zu, wenn die Familie im Essen herumstochert und meint: „War auch schon mal besser…“?

Jeder einzelne Nörgel-Kommentar raubt dem anderen etwas mehr Energie. Zudem baut sich mit der Zeit immer mehr Widerstand auf: Man will es der nörgelnden Person nicht mehr recht machen.

Kurz und bündig: Was Eltern tun können

Als Eltern eines Minimalisten können Sie:

  • Klare Forderungen stellen und darauf beharren. Solange Sie eine Forderung aufstellen, der das Kind gut nachkommen kann und die es nicht überfordert, entsteht dadurch auch kein ungünstiger Druck
  • Positive Kommentare fallen lassen und Lob und Anerkennung zeigen, wenn sich das Kind bemüht. Kommentare über die Intelligenz und die Begabung des Kindes bewusst reduzieren
  • Weniger nörgeln. Falls das Kind die Hausaufgaben vor dem Abendessen gemacht haben muss, dann kann man ihm um 17 Uhr sagen, dass es jetzt beginnen muss. Es ist nicht nötig, dass man es von 14 Uhr an im Viertelstundentakt daran erinnert.

Schliesslich noch eine persönliche Ansicht: Ein Jugendlicher darf auch mal einen Hänger haben. Es gibt einfach Zeiten, in der sich Jugendliche für alles andere mehr interessieren als für die Schule. Man kann sich als Elternteil fragen: Ist es momentan wichtig, dass der Jugendliche in der Schule glänzt? Dies ist eher dann der Fall, wenn die Übertrittsprüfungen anstehen oder ein gutes Zeugnis besonders wichtig ist – wie beispielsweise bei der Lehrabschlussprüfung. Ob ein Jugendlicher im fünften oder sechsten Jahr des Gymnasiums einen Schnitt von 4.5 oder 5.5 gehabt hat, spielt aber keine so grosse Rolle, wie wir gemeinhin annehmen. Die drei fleissigsten, strebsamsten und leistungsstärksten Schüler/innen meiner Klasse wurden nicht zu den erwarteten Überfliegern. Sie hatten nach der Matura genug vom ständigen Lernen und dem immerwährenden Druck, perfekte Leistungen zu zeigen. Alle drei wählten ein besonders leichtes Studienfach und danach einen eher gemütlichen Job. Einer brauchte 9 Jahre, um mit dem Studium fertig zu werden, weil er aus Angst vor schlechten Noten die Prüfungen immer wieder aufschob. Diejenigen Klassenkameraden, die ein Leben neben der Schule hatten, gingen das Studium mit deutlich mehr Begeisterung und Interesse am Stoff an und liessen sich auch nach dem Studium auf Herausforderungen ein.

In dieser Phase kann man mit seinem Kind vereinbaren, dass ihm auch mal anderes wichtiger sein darf, man aber ein Kriterium festlegt, das als Warnsignal gilt. Beispielsweise: Sobald in einem Fach mehr als eine ungenügende Note zurückkommt, bereite ich mich auf die nächste Prüfung besser vor.

Die Anstrengungsbereitschaft eines Kindes lässt sich nicht über Nacht beeinflussen. Wir wünschen Ihnen als Eltern die Ausdauer, die nötig ist, um Ihr Kind immer wieder liebevoll aber beharrlich zu fordern.

Unsere Seminare für Eltern:

Für alle Eltern, die ihrem Kind eine schöne Schulzeit ermöglichen möchten und ihrem Kind durch gute Lernstrategien zu mehr Erfolg verhelfen möchten: die besten Lernstrategien für Primarschulkinder

Für Eltern von Kindern mit ADHS: Erfolgreich lernen mit ADHS

Für Kinder von Eltern mit Rechenschwierigkeiten: Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern 

Für Eltern, die Ihr Kind im Alltag stärken möchten: Kinder fürs Leben stärken

Autorenteam

Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler sind Psychologen und leiten zusammen die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Beide verbindet die große Begeisterung und Leidenschaft für das Schreiben von Büchern:

         

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