Weitere Tipps für Eltern

Gespräche führen: Tipps für die Zusammenarbeit mit Lehrkräften

Einige Eltern sind begeistert vom regen und freundlichen Austausch mit der Klassenlehrerin, andere empfinden die Elterngespräche als schwierig, insbesondere wenn das Kind Mühe in einem Fach hat oder den Anschluss zu verlieren droht. 

„Die Lehrkraft hat einfach zu wenig Zeit für Jonas“, „Mit dem Unterrichtsstil kommt Mia nicht so gut zurecht“, „Was nützt es denn, wenn ich zu Hause auch Sandras kleine Fortschritte lobe, aber der Lehrer das gar nicht bemerkt?“ Aussagen wie diese spiegeln ein Stück weit die grossen Anforderungen wider, die der Lehrerberuf mit sich bringt. Eine befreundete Referendarin erzählte mir einmal:

„Wenn ich könnte, würde ich am liebsten jedes Kind individuell fördern und optimal unterstützen. In einer Doppelstunde von 2x 45 Minuten in einer Klasse mit knapp 30 Schülern bleiben mir aber im Schnitt nur 3 Minuten „Individualzeit“ pro Kind und nebenbei muss ich ja auch noch den Stoff vermitteln…“

Der Lehrerberuf ist in den letzten Jahren immer herausfordernder geworden: wechselnde Lehrpläne und didaktische Umschwünge, altersdurchmischte "Mosaikklassen" und die Inklusion von Kindern mit überdurchschnittlichem Förderbedarf machen den Schulalltag zu einem Balanceakt.

Als Eltern können Sie eine Menge dazu beitragen, sich die Lehrkraft Ihres Kindes zum Partner zu machen und so das Beste für Ihr Kind herauszuholen. Ein paar Tipps haben wir nachfolgend für Sie zusammengefasst.

Die schulische Entwicklung des Kindes als gemeinsames Projekt begreifen

Gespräche führen

Nicht immer gelingt es Eltern und Lehrkräften, eine gute Beziehung zueinander herzustellen. Nicht selten wird der Elternsprechtag genutzt, um sich gegenseitig „auf den richtigen Weg“ zu bringen. Elternmitwirkung ist erfreulich und wichtig für die schulische Entwicklung von Kindern, sie kann aber auch schaden. Schaden kann sie immer dann, wenn Eltern die Kompetenz oder Autorität der Lehrkraft vor dem Kind in Frage stellen. Das Kind befindet sich damit in einem Zwiespalt. Vertraut es dem Urteil der Eltern und wertet die Lehrkraft ab, so wird es der Lehrerin kaum mehr gehorchen und sich nur widerwillig etwas beibringen lassen. Im Endeffekt untergräbt dies den Lernprozess und der Schüler wird sich in Zukunft kaum mehr anstrengen. Er hat ja nun die „perfekte Entschuldigung“ für seine Misserfolge gefunden: Die inkompetente Lehrkraft. Damit das Kind den Anschluss nicht ganz verliert, wäre es jedoch wichtig, dass es sich in dieser Situation besonders anstrengt und die Hilfe der Lehrerin annimmt. Wenn wir also möchten, dass Kinder sich an Regeln in der Schule halten, dem Unterricht folgen und die Hausaufgaben erledigen, müssen wir uns vor dem Kind für die Lehrkraft aussprechen, auch wenn wir mit deren Vorgehen vielleicht nicht immer ganz einverstanden sind. Wir können Verständnis zeigen, wenn Kinder sich ärgern und einschreiten, wenn Lehrkräfte eine Grenze überschreiten (wenn das Kind z.B. systematisch gemobbt oder bloss gestellt wird).

Im Normalfall reicht es jedoch aus, die schulische Entwicklung des Kindes als gemeinsames Projekt der Eltern und Lehrkraft zu begreifen und darauf hin zu arbeiten, das eigene Kind optimal zu fördern. Als Vorbereitung auf ein Eltern-Lehrer-Gespräch könnten sich Eltern also ganz konkret fragen:

  • Welche Informationen benötige ich über die schulische Situation meines Kindes, die mir helfen, mein Kind noch besser zu unterstützen?
  • Wie könnte mir die Lehrkraft ganz konkret helfen, die Situation meines Kindes zu verbessern?
  • Welche Dinge laufen in der Klasse bereits gut?

Ziele für das Gespräch definieren

Viele Eltern ertappen sich dabei, in den Gesprächen mit den Lehrkräften Probleme zu wälzen und kommen völlig frustriert und ohne befriedigende Lösung nach Hause. Um das Gespräch in eine positive Richtung zu lenken und Ansatzpunkte für eine bessere Unterstützung des eigenen Kindes zu finden, empfiehlt es sich daher, im Voraus Ziele für das Gespräch zu definieren. Eltern können sich dabei fragen:

  • Wenn das Gespräch vorbei ist, was möchte ich erfahren haben?
  • Wenn das Gespräch mit der Lehrkraft erfolgreich gewesen wäre, was hätten wir besprochen?
  • Welche Veränderungen wünsche ich mir für mein Kind?
  • Wenn wir gemeinsam eine optimale Lösung gefunden hätten- wie würde sie aussehen?
  • Woran würde mein Kind merken, dass sich etwas verändert hat?

Notieren Sie sich 3 konkrete Ziele bzw. Veränderungswünsche, z.B. "Es wäre schön, wenn Herr Sanders am Ende der Stunde kurz das Hausaufgabenheft anschaut und unterzeichnet, damit wir zu Hause die Möglichkeit haben, für die vollständige Erledigung der Aufträge zu sorgen." oder "Ich wünsche mir, dass Aline in der ersten Reihe sitzen darf, damit sie sich besser auf den Unterricht konzentrieren kann."

Erstellen Sie am besten schriftlich ein Notizblatt mit Ihren konkreten Wünschen, um sich auf das Gespräch vorzubereiten. 

Gerade wenn die schulischen Schwierigkeiten eines Kindes erst kürzlich aufgetreten sind, ist man sich als Mutter oder Vater oft unsicher, welche Lösungen sinnvoll wären. In diesem Fall kann man als Ziel des Eltern- Lehrer- Gesprächs auch die Informationsgewinnung festhalten, wie das folgende Beispiel zeigt:

Nehmen wir einmal an, Matthias hat Probleme im Rechnen. Seine Mutter bemerkt, dass das Zahlenbuch sehr unübersichtlich aufgebaut ist. Matthias hat mit den unterschiedlichen Darstellungen der Rechenwege grosse Probleme und ist aus diesem Grund häufig verwirrt. Frau Leander beschliesst, der Situation in einem Gespräch mit der Lehrerin auf den Grund zu gehen. Sie überlegt sich vorher, was sie sich konkret für das schulische Vorankommen ihres Sohnes wünscht und macht sich dazu einige Notizen:

Notizblatt: Gespräch mit Frau Nüssler, Klassenlehrerin

  • Ausgangssituation: Jonas hat Mühe mit den Rechen- Hausaufgaben
  • Ziel: Informationen einholen über konkrete Probleme im Unterricht: Wo hat er den Anschluss verloren?
  • Ich möchte wissen, ob Zusatzaufgaben sinnvoll und notwendig sind
  • Ich wünsche mir, dass Matthias den Klassenübertritt schafft
  • Es wäre schön, wenn Matthias sich in Mathe wieder mehr zutrauen könnte

Frau Leander nimmt den Notizzettel mit in die Elternsprechstunde. Sie achtet darauf, die Probleme des Sohnes nur kurz zu umreissen und die Lehrerin zügig zu möglichen Lösungen zu befragen….

Sich um einen positiven Einstieg bemühen

Bestimmt haben Sie auch schon einmal erlebt, dass ein Gespräch nicht in die gewünschte Richtung gelaufen ist und sich aus einer ruhig angelegten Konversation eine hitzige Diskussion entwickelt hat. In Gesprächen zwischen Eltern und Lehrkräften geschieht dies oft, denn das Wohl der Kinder liegt den Eltern am Herzen und sie möchten verständlicherweise alles daran setzen, dass ihr Kind die optimale Unterstützung erhält. „Es ist richtig überraschend, wenn Eltern einmal ein gutes Wort für einen übrig haben.“, berichtete mir kürzlich ein befreundeter Realschul-Lehrer. Denn Lob und Anerkennung ist im Lehrerberuf eher dünn gesät. Umso positiver kann ein Gespräch beginnen, wenn Sie sich zum Einstieg kurz Zeit nehmen, um der Lehrkraft ein kleines und ehrlich gemeintes Lob auszusprechen. Sei es das letzte Projekt, das gute Klassenklima, eine fair benotete Klassenarbeit oder das Engagement in einer Arbeitsgemeinschaft - auch Lehrerinnen und Lehrer freuen sich, wenn ihre Arbeit gewürdigt wird. Respekt und Anerkennung können das Fundament für ein „gemeinsames Projekt“, z.B. die Verbesserung von Matthias Rechenkenntnissen, legen für das Sie die Lehrkraft gewinnen möchten. Wenn sich Eltern und Lehrkräfte um eine gute Beziehung zueinander bemühen, ist es wahrscheinlicher, dass Anliegen vorgebracht werden können und Unterstützung angeboten wird.

Profitieren Sie von der Erfahrung der Lehrkraft

Wenn Sie einen positiven Einstieg gewählt haben, ist bereits Einiges geschafft. Nun können Sie sich die Erfahrung der Lehrkraft zunutze machen und sie um konkrete Hilfestellungen bitten, indem Sie beispielsweise fragen:

  • Was meinen Sie dazu?
  • Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?
  • Welche Zusatzaufgaben würden Sie empfehlen?
  • Wie könnten wir meinen Sohn/meine Tochter noch besser unterstützen?
  • Was würden Sie mir in dieser Situation raten?

Anstatt dem Gegenüber Vorwürfe zu machen oder Forderungen zu stellen, nehmen wir die Lehrkraft in ihrer Arbeit ernst und vermitteln, dass ihre aktive Mithilfe erwünscht ist. Gleichzeitig können Sie mögliche Unsicherheiten reduzieren, weil Sie als Eltern genauer erfahren, wie Sie Ihrem Kind helfen könnten und welche Strategien die Lehrkraft empfehlen kann.

In Frau Leanders Fall sähe das in etwa so aus:

Frau Nüssler: Guten Tag Frau Leander. Was kann ich für Sie tun?

Frau Leander: Guten Tag Frau Nüssler. Ich komme wegen meinem Sohn Matthias, er hat in letzter Zeit vermehrt Probleme beim Rechnen und traut sich gar nichts mehr zu… Bevor ich es vergesse: ich wollte mich noch bei Ihnen für das tolle Aussenprojekt letzte Woche bedanken. Der Ausflug in den Zoo hat Matthias wirklich gut gefallen. Schön wie Sie das alles organisiert haben…

Frau Nüssler: Vielen Dank... Ja, die Kinder waren ganz aufgedreht…

Frau Leander: Ja das stimmt (…) Warum ich heute zu Ihnen gekommen bin, Frau Nüssler: Ich würde Sie gerne um Hilfe bitten. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo Matthias beim Rechnen den Faden verloren hat und wie ich ihm helfen könnte. Vielleicht können wir zusammen schauen, ob Zusatzaufgaben zu Hause sinnvoll und notwendig wären.

Frau Nüssler: Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Matthias arbeitet deutlich langsamer als seine Klassenkameraden. Insbesondere seit wir schriftlich multiplizieren. Ich habe den Eindruck, ihm fallen vor allem die Reihen noch schwer. Das 1x1 hat er noch nicht so ganz raus und das verursacht viele Flüchtigkeitsfehler, die ihn zum Teil beim Malnehmen dann auch viel Zeit kosten…

Frau Leander: Die Reihen sind also das Problem. Das würde ich mir kurz notieren (schreibt). Dürfte ich Sie fragen, was Sie uns empfehlen würden?

Frau Nüssler: Es ginge vor allem darum, dass er das 1x1 auswendig kann. Da wäre es gut, zu Hause zusätzlich mit ihm zu üben.

Frau Leander: Danke, das ist schon mal ein guter Ansatzpunkt. Wie würden Sie das genau umsetzen und in welchem Umfang?

Frau Nüssler: Jeden Tag 10 Minuten wäre ein guter Anfang. Es gibt da gute Übungshefte, mit denen die Kinder üben können oder auch Lernspiele. Je nach dem, was dem Matthias besser liegt.

Frau Leander: Das ist ein guter Hinweis. Hätten Sie vielleicht noch Zusatzmaterial, mit dem wir arbeiten könnten?

Zum Ende des Gespräches wäre es sinnvoll, noch einmal die Ziele und die Lösungsvorschläge zusammen zu fassen und der Lehrkraft für Ihre Mithilfe zu danken. Am besten vereinbaren Sie direkt ein Nachfolgegespräch um die Veränderungen gemeinsam auszuwerten und gegebenenfalls neue Lösungsvorschläge zu diskutieren:

Frau Leander: Vielen Dank Frau Nüssler, das hat mir sehr geholfen. Ich rede heute Abend mit Matthias und sage ihm, dass wir mehr üben müssen. Ich würde in 2 Monaten gerne noch einmal kurz vorbeikommen, damit wir schauen können, was sich bis dahin getan hat und wie wir weiterfahren können.

Frau Nüssler: Gut, dann lassen Sie sich doch auf dem Sekretariat einen Termin geben. Auf Wiedersehen, Frau Leander.

Eigene Lösungsvorschläge anbringen

Wenn Sie bereits konkrete Lösungsvorschläge für eine Schwierigkeit im Kopf haben, könnte das Gespräch folgendermassen aussehen:

Herr Lüthi: Grüezi, Herr Maischner. Schön, dass Sie sich Zeit nehmen.

Herr Maischner: Grüezi, Herr Lüthi. Ich nehme an, Sie sind wegen Ihrer Tochter Marina hier?

Herr Lüthi: Genau. Uns ist aufgefallen, dass Marina Schwierigkeiten hat, ihr Hausaufgabenheft vollständig zu führen. Sie vergisst die Aufträge einzutragen und wir können zu Hause dann nicht mehr nachvollziehen, was sie erledigen sollte. Wir würden Marina gerne dabei unterstützen, ihre Aufgaben sorgfältig zu machen und ich hatte mich gefragt, ob wir Sie für dieses Vorhaben vielleicht mit ins Boot holen könnten. Ich weiss, Sie haben unheimlich viel zu tun... 

Herr Maischner: Ja das stimmt. Ich habe noch 26 andere Schüler um die ich mich kümmern muss, da kann ich leider nicht für jeden eine "Extrawurst" braten. Marina ist halt einfach chaotisch, das sagen auch die anderen Fachlehrkräfte.

Herr Lüthi: Das kann ich gut verstehen. Wir arbeiten zu Hause sehr stark am Thema "Vergesslichkeit", packen mit Marina den Schulranzen und kontrollieren, ob sie alles Notwendige dabei hat. Nur beim Hausaufgabenheft kommen wir alleine nicht weiter. Es wäre toll, wenn wir in diesem Punkt zusammenarbeiten könnten. Dürfte ich Ihnen einen Vorschlag machen?

Herr Maischner: Nur zu...

Herr Lüthi: Wir haben im Internet gelesen, dass es in solchen Fällen helfen kann, wenn die Lehrkraft das Hausaufgabenheft am Ende der letzten Stunde kurz abgezeichnet und dabei schaut, ob alle Einträge vollständig sind. Ein befreundetes Elternpaar und ihr Sohn haben damit gute Erfahrungen gemacht. Ich glaube, das würde Marina ernorm weiterhelfen. Gäbe es eine Möglichkeit, das auch in Marinas Fall umzusetzen?

Herr Maischner: Ich denke schon. Das sollte sich machen lassen.

Herr Lüthi: Das wäre toll! Darf ich mir das so notieren (schreibt) ? Dann würde ich mit Marina heute Abend besprechen, dass sie ab jetzt am Ende der Stunde kurz nach vorne kommt, um ihr Heft vorzuzeigen (...).

Herr Maischner: In Ordnung. 

Herr Lüthi: Vielen Dank, Herr Maischner. Ich freue mich sehr, dass Sie uns und unsere Marina so unterstützen wollen. Gibt es im Moment vielleicht noch etwas, das Sie entlasten würde? Wie gesagt, wir arbeiten im Moment am Thema Vergesslichkeit...

Im Gespräch achtet Herr Lüthi auf einige wichtige Punkte. Er...

  • zeigt, dass er sich über die Schwierigkeiten seiner Tochter bewusst ist und dafür Verantwortung übernimmt (auch zu Hause wird "an diesem Thema gearbeitet")
  • macht konkrete Vorschläge und lässt die Lehrperson über deren Umsetzbarkeit entscheiden
  • begreift die Unterstützung durch die Lehrkraft nicht als Recht, das er einfordert, sondern als Wunsch
  • sichert seine Mitarbeit zu und fragt die Lehrkraft, ob man ihr ebenfalls entgegen kommen könnte (z.B. durch die Kontrolle der Vollständigkeit zu Hause)
Regelmässiges Feedback geben
Kaum ein Punkt ist für die Beziehungspflege wichtiger als positives Feedback. Wenn eine Lehrkraft sich dazu entscheidet, uns zu unterstützen, wäre dann nicht ein kleiner Dank angebracht? So könnte Herr Lüthi am Montag Abend eine kurze E- Mail an Herrn Maischner schicken und sich für das Unterzeichnen von Marina's Hausaufgabenheft bedanken. Auch wenn eine gut funktionierende Methode mit der Zeit in Vergessenheit gerät, kann eine positiv formulierte Erinnerung einiges bewirken. Eine kurze Nachricht mit dem Inhalt "Lieber Herr Maischner, mit der Hausaufgabenkontrolle arbeitet Marina sehr viel besser, herzlichen Dank dafür." vermittelt der Vater dem Klassenlehrer, dass seine Unterstützung immer noch gewünscht und wirksam ist.

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