Umgang mit Druck, Prüfungsangst und Schulangst

Schulangst 2: Formen der Schulangst

Psychologen unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Formen der Schulverweigerung, die -im Gegensatz zu Schulschwänzen- von Eltern geduldet wird. Im Fall von Schulangst ist die Schule selbst der Auslöser des Vermeidungsverhaltens. Das Kind versucht Situationen und Personen zu meiden, die in Verbindung mit der Schule gebracht werden können. Dem gegenüber fürchtet das Kind bei der Schulphobie vielmehr die Trennung zu seiner Bezugsperson, das heisst zu seiner Mutter oder zu seinem Vater. Eine Schulphobie hält Kinder meist nicht davon ab, Hausaufgaben zu machen oder sich auf Arbeiten vorzubereiten. Sie sind trotz allem lernbereit und diszipliniert.

Schulphobie

Kinder mit einer Schulphobie spüren eine Trennungsangst, sie sind sehr empfindsam und ängstlich. Im Umgang mit anderen Kindern wirken sie oftmals schüchtern und verschlossen. Gegenüber ihren Eltern können sie dagegen fordernd und bisweilen aggressiv sein. Krankheit und Tod machen ihnen Sorgen; manchmal träumen sie sogar davon. Ihre Trennungsangst kann eine Folge von schwierigen Familienkonstellationen oder traumatischen Verlusten - wie beispielsweise die Trennung der Eltern - sein. Sie kann aber auch darin begründet sein, dass jene Kinder eine extrem enge Bindung zu ihrer Mutter / zu ihrem Vater haben. Anderen Kindern wurde zu früh zu viel Verantwortung übertragen, wodurch sie sich immerzu um die Eltern sorgen.  

Welchen Grund diese Verlustängste auch haben mögen, so ist es wichtig einer aufkommenden Schulphobie so früh als möglich entgegenzuwirken. Dabei sollte das Kind lernen, wieder regelmässig zur Schule zu gehen. Denn nur dadurch wird es die Erfahrung machen, dass der Mama / dem Papa nichts passiert – und ihm selbst auch nicht. Das Kind spürt, dass es seine Eltern getrost alleine lassen kann und entwickelt dadurch eine emotionale Selbstständigkeit. Auch wenn es Eltern oftmals schwerfällt, das Kind trotz Jammern und Weinen in die Schule zu schicken, ist es hier von Vorteil konsequent zu bleiben. Dabei ist es besser, wenn das Kind nicht von den Eltern, sondern eher von Freunden zur Schule gebracht wird. Der Abschied gestaltet sich dann für alle weniger schmerzhaft.

Kommt das Kind nach der Schule nach Hause, kann es sinnvoll sein, das Thema „Abschied“ nochmals anzusprechen. Das Kind kann lernen, dass seine Schmerzen grundlos waren und es die Herausforderung gut gemeistert hat. Belohnen Sie Ihr Kind für die Bewältigung des Schulalltages! Denn nur dadurch erfährt es Anerkennung für sein tapferes Verhalten. Ermutigen Sie Ihr Kind und nehmen Sie es in den Arm, damit es spürt, wie stolz Sie sind. 

Schulangst

Im Gegensatz zur Schulphobie versteckt sich hinter der Schulangst oftmals eine Furcht vor schlechten Noten und die Angst zu versagen. Dies kann vorkommen, wenn Eltern zu ehrgeizig sind und sehr hohe Erwartungen haben. Das Kind neigt dann dazu, sich mit Geschwistern oder Kameraden zu vergleichen, und fühlt sich minderwertig. Dabei fürchtet das Kind weniger die Prüfungssituation als solche, vielmehr hat es Angst vor einem möglichen Misserfolg. Betroffene Kinder wirken oftmals bedrückt und mutlos, leiden unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen. 

Andere Kinder haben soziale Ängste und fürchten den Spott der Mitschüler. Scham, Verlegenheit und die Sorge sich zu blamieren haben sich in ihr Gefühlsleben eingenistet. Bereits morgens im Bett oder am Frühstückstisch haben sie Angst vor dem bevorstehenden Schulalltag.

 

Was tun?

Bevor gegen die Schulangst angegangen werden kann, sollte zuvor unbedingt abgeklärt werden, ob der Widerstand des Kindes nicht vielleicht gerechtfertig ist. Womöglich ist der Stoff für sein jetziges Schullevel zu schwer, sodass es den Stoff tatsächlich nicht bewältigen kann. Längere Krankheit, aber auch eine unerkannte Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche können mögliche Gründe dafür sein.

Hat sich gezeigt, dass die Verweigerungshaltung des Kindes keinen konkreten Grund hat, ist es wichtig, dass die Schulangst wieder verlernt wird. Da dies am besten im Kontext der Schule geschieht, sollte das Kind wieder in die Schule gehen und somit sein Vermeidungsverhalten durchbrechen.

Auch wenn es Eltern oftmals gut meinen, dem Kind eine Entschuldigung zu schreiben und es zu Hause zu lassen, sind Lob und Ermutigung die besseren Mittel. Das Kind sollte morgens angemessen getröstet werden, das heisst es sollte liebevoll auf seine Sorgen eingegangen, aber nicht diskutiert werden. Dabei sollte das Kind wissen, dass es sich in der Schule immer an einen Lehrer des Vertrauens wenden kann. Kommt der Schulbesuch einmal wirklich nicht in Frage, sollte dieses Verhalten nicht belohnt werden. Das heisst Bettruhe statt Fernsehen. Denn sonst wird der Teufelskreis des Kindes nur weiter geschürt. Sollten die Eltern merken, dass alle Versuche nutzlos sind und die Schulangst bestehen bleibt, ist es wichtig, dem Kind professionelle Hilfe anzubieten.  

Kleine Diagnosehilfe

Mein Kind möchte nicht mehr zur Schule gehen.

Wie erkenne ich, ob es sich dabei um Schulphobie oder um Schulangst handelt? 

 

Schulphobie könnte vorliegen, wenn Sie folgende Aussagen mit Ja beantworten können:

-       Mein Kind leidet an Symptomen, für die es keine körperliche Ursache gibt.

-       Mein Kind erreicht gute Schulleistungen.

-       Mein Kind holt verpassten Stoff bereitwillig nach.

-       Mein Kind verspürt ausserhalb der Schulzeit keine Beschwerden und ist aktiv.

 

Schulangst könnte vorliegen, wenn Sie folgende Aussagen mit Ja beantworten können:

-       Mein Kind berichtet über Ablehnung durch Klassenkameraden.

-       Mein Kind fühlt sich von Lehrern schlecht beurteiltet und ungerecht behandelt.

-       Mein Kind fürchtet bestimmte Situationen in der Schule, wie Pausen oder Klassenarbeiten.  

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!