Kurztipps Lernen für Jugendliche

„Eigentlich müsste ich ja noch lernen, aber…“

Basics für erfolgreiches Lernen

Wir alle kennen sie, die Schüler oder Studenten, von denen wir das Gefühl haben, sie müssten kaum etwas tun und bekämen trotzdem immer gute Noten. Was machen diese Schüler anders als andere? Sie bemerken bewusst oder unbewusst, wie sie das Lernen effektiver machen können. Denn wer herausfindet, wo, wie, mit wem und unter welchen Bedingungen er am besten lernt, kann sich enorm viel Zeit einsparen und mit wenig Aufwand viel erreichen.

Weniger erfolgreiche Schüler und Studenten greifen oft auf Lerntechniken zurück, die sie schon aus Primarschulzeiten kennen. Sie lernen nicht weniger fleissig, dafür deutlich aufwändiger. Sich auf neue Lernstrategien einzulassen, die auf lange Sicht grösseren Nutzen versprechen, ist gar nicht so einfach. Ein gutes Beispiel dafür ist das Zehnfingersystem. Wer das Zehnfingersystem gut beherrscht, profitiert von der maximalen Schreibgeschwindigkeit. Wer sich aber wie ich an ein zwei- oder vierfinger- Pick-Hack-System gewöhnt hat und damit relativ schnell schreiben kann, wird Mühe haben, sich umzustellen. Denn die Umstellung auf das Zehnfingersystem braucht nicht nur Übung, sondern führt auch dazu, dass man zuerst einmal langsamer schreibt. Wir kleben an ineffizienten Strategien, weil die Umstellung Zeit benötigt, sich die Erfolge vielleicht nicht direkt einstellen oder wir Vorurteile hegen. Im Gymnasium hatten wir zum Beispiel über ein Jahr hinweg das Schulfach „Skills“, in dem uns Lernstrategien vermittelt werden sollten. Sich Wörter anhand bekannter Wege merken, Vokabeln auf WC- Papier schreiben und dann hinunterspülen und Co führten bei mir nicht selten zu dem Gedanken: „Das wäre überhaupt nichts für mich!“ oder „Ich habe immer anders gelernt, das bringt doch gar nix!“ Vorurteile und Gewohnheiten führen dazu, dass wir an schlechten Strategien haften bleiben, anstatt neue Strategien auszuprobieren.  

Aus der Gewohnheit ausbrechen

Viele Schüler und Studenten lernen an Orten, die es ihnen schwer machen, sich zu konzentrieren. Im Wohnzimmer läuft vielleicht der Fernseher oder die Geschwister stören. Im eigenen Zimmer bringt Facebook oder das bimmelnde Natel aus der Lernroutine und lädt zur Ablenkung ein. Es gibt Schüler und Studenten, die zum Lernen oder Arbeiten viel Ruhe benötigen. Lärm lenkt sie ab und verlangsamt das Lernen und ihre Denkprozesse. Wenn du zu diesen Schülern gehörst, versuche es doch einmal an einem anderen Ort! In der Bibliothek der Universität oder draußen am See schaffst du dein Pensum dann wahrscheinlich in der Hälfte der üblichen Zeit. Das glaubst du nicht? Dann stoppe doch einmal die Zeit, in der du eine Aufgabe (z.B. Vokabeln lernen) unter normalen Bedingungen erledigst. Am nächsten Tag versuchst du dieselbe Anzahl an Vokabeln in der Bibliothek, am See oder mit Ohrenstöpseln. Oder du schaltest ausnahmsweise Natel und Laptop aus. Lass dich überraschen- die meisten Schüler sind erstaunt bis geschockt, wie viel schneller sie am Ziel sind. Probieren geht über studieren!

Auf der anderen Seite gibt es Schüler und Studenten, die sich nicht konzentrieren können, wenn es um sie herum still ist. Sie brauchen eine gewisse Geräuschkulisse, um überhaupt „in Fahrt“ zu kommen. Diese Schüler und Studenten arbeiten mit leiser Hintergrundmusik oder im Café am besten.

Erlaubt ist, was weiter bringt

Wenn man Lehrkräfte oder Lernberater fragt, wann die beste Zeit für die Hausaufgaben und das Lernen ist, bekommt man meist die Antwort „Immer zur selben Zeit, am besten direkt nach dem Mittagessen.“ Jeder Mensch hat unterschiedliche Leistungskurven am Tag und es lohnt sich, herauszufinden, wo sie liegen. Viele Schüler brauchen nach einem anstrengenden Schultag erst einmal eine Pause. Sie bemerken, dass sie am Abend besonders gut lernen können, wenn sie sich ausgeruht haben. Abendlerner können den Effekt ausnutzen, dass wir uns an Inhalte besonders gut erinnern können, die wir direkt vor dem Einschlafen gelernt haben. Jugendliche, die ihr Leistungshoch am Nachmittag haben, können ebenfalls von diesem Effekt profitieren, wenn sie sich vor dem Einschlafen noch einmal kurz in Erinnerung rufen, was sie am jeweiligen Tag gelernt haben. Egal in welche Zeit dein persönliches Leistungshoch fällt- du kannst effektiver lernen, wenn du deine Lerneinheiten in diesem Zeitraum ansetzt.

Ausprobieren und auswerten

Wer neue Orte, Zeitpunkte und Strategien ausprobiert, sollte sich immer fragen:

„War es heute besser als sonst? Bin ich schneller voran gekommen? Habe ich länger durchgehalten, mich besser gefühlt als sonst?“

Wenn ja, werden die neue Strategie oder die Teile, die hilfreich waren, beibehalten, wenn nicht, wird mit einer neuen Strategie/ einem anderen Ort/ einer anderen Tageszeit experimentiert.

Es gilt: Mache viel von dem, was dir hilft und unterlasse möglichst viel von dem, was dir nicht hilft!“

Um effektiv zu lernen und sich selbst besser kennen zu lernen sollte man mit möglichst vielen neuen Strategien experimentieren und sie auswerten. Das kann z.B. so aussehen:

 Strategie  Pro  Contra  Verbesserungsvorschläge  Beibehalten
 Mit Samira Vokabeln lernen statt alleine  
  • macht mehr Spaß
  • können uns gegenseitig abfragen
  • Zeit vergeht schneller
haben uns oft gegenseitig durch Gequassel abgelenkt
  •  wir vereinbaren eine 15- minütige Quatschzeit, bevor wir mit dem Lernen beginnen 
  • wir schauen uns die Vokabeln vorher kurz alleine an.
 Ja

Viele weitere Tipps und Tricks, um sich selbst für Hassfächer zu motivieren und in weniger Zeit mehr hinzubekommen, gibt es in unserem Buch "Clever lernen". Es richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren:

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

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