Motivation / Aufschieben

Motivationstiefs bekämpfen

"Ich hab aber keinen Bock!"- und wie man ihm begegnen kann...

Liebe Eltern, liebe Lehrkräfte

vielleicht kennen Sie das: Sie begeistern sich für ein neues Projekt und gehen voller Elan und Tatendrang an die Arbeit. Vielleicht möchten Sie etwas sportlicher werden und nehmen sich vor, jeden Tag 15 Minuten zu joggen oder Sie beschliessen eine neue Sprache oder ein Instrument zu lernen. Vom Vorhaben beflügelt gehen Sie positiv gestimmt ans Werk bis Sie merken, dass es doch gar nicht so einfach ist, die 15 Minuten Jogging pro Tag in den Tagesablauf zu integrieren oder dass das mit dem Spanisch lernen bis zum nächsten Familienurlaub vielleicht etwas knapp wird. Sie fragen sich vielleicht, ob es wirklich so wichtig ist, sportlicher zu sein oder ob nicht ein Spanisch- Wörterbüchlein und das Bewährte „Mit- Händen- Und- Füßen“ Verständigungskonzept ausreicht. Die Aufgabe ist mühsam, die Fortschritte gering und das Ziel wird immer weniger attraktiv- die Folge: die Motivation sinkt. Von diesem Demotivationskreislauf berichten viele Jugendliche in der Lernberatung. Sie fragen sich, wozu sie die Hausaufgaben machen sollen, was ihnen das Lernen nützt und warum sie sich noch derart lange abmühen müssen, um einen Abschluss zu bekommen. Häufig sinken die Noten in der Pubertät ab und die Schulleistungen stehen hinter dem Wunsch, das Leben zu genießen zurück. Diese Demotivation und Schulunlust ist zu einem gewissen Grad charakteristisch für die Lebenphase der Jugendlichen.  Häufig ist sie aber auch Ausdruck davon, dass ihnen ein Ziel fehlt, auf welches sie hinarbeiten können oder dass sie dieses aus den Augen verloren haben. Ich erinnere mich an eine 15- jährige Jugendliche, die darüber klagte, dass ihr die Schule keinen Spaß mache und sie vom Lernen gänzlich die Nase voll habe. Auf die Frage, an welchen Ziel sie in der Lernberatung arbeiten wollte, antwortete sie „Mein Ziel ist es, ein Ziel zu haben. Wenn ich ein Ziel hätte, würde ich viel mehr Sinn darin sehen, mich hinzusetzen und etwas zu tun.“ Möchten wir Jugendliche als Eltern, Lehrkräfte oder Lernberater dabei unterstützen, die Lernmotivation zu steigern können wir folgendermassen vorgehen:

Stärken und Interessen

Über ihre Stärken und Interessen nachzudenken und sich darüber bewusst zu werden, welche Tätigkeiten ihnen liegen kann vielen Jugendlichen helfen. Wir können die Jugendlichen aktivieren, indem wir sie beispielsweise fragen: „Woran hast du Freude? Welche Art von Aufgaben übernimmst du gerne? Was liegt dir besonders gut?“. Viele Jugendliche blühen in der Schule wieder auf, wenn sie mehr über ihre beruflichen Perspektiven in Erfahrung bringen. Die Analyse von Stärken und Interessen kann dabei ebenso wie ein Praktikum ein erster, wichtiger Schritt sein.

Vergangene Leistungen honorieren          

Viele Jugendliche neigen in einer Phase von Demotivation und Lustlosigkeit dazu, die Schule als blöd und unnütz abzuwerten und haben das Gefühl, ihre Anstrengungen „bringen sowieso nichts“, weil das „bisher doch auch immer so war“. Sie lassen vollkommen außer Acht, wie viele Schuljahre sie bisher erfolgreich gemeistert haben und wie viele „Hassfächer“ sie bereits bewältigt haben. Sie können Jugendlichen helfen, ihre Motivation zu mobilisieren, indem Sie sie immer wieder daran erinnern, was sie im jeweiligen Fach oder im Schulkontext bisher geleistet haben. Dies müssen nicht immer beste Noten oder außergewöhnliche Leistungen sein. Ein „Schau mal wie du dich da die letzten Jahre durch Mathe durchgefuchst hast und das gepackt hast“ kann manchmal schon einen Funken Positives in Bewegung setzen. 

Ein persönliches Ziel visualisieren und Hürden in Gedanken überwinden

Nachdem ich mit der Schülerin in der Lernberatung über ihre Interessen gesprochen hatte und wir uns über mögliche Berufsziele Gedanken gemacht hatten, wurde ihr bewusst, dass sie die Berufsmatura auf jeden Fall abschließen müsste, um sich ihren Berufswunsch erfüllen zu können. Wir übten gemeinsam eine Strategie ein, die ihr Motivation spenden sollte und ihr helfen sollte, schulisch am Ball zu bleiben und Probleme überwinden zu können:

Beraterin: „Du hattest gesagt, du möchtest Architektin werden. Was wäre da die nächste Etappe auf dem Weg dazu?“

Schülerin: „Dass ich die Berufsmatura bestehe...“

Beraterin: „Die Berufsmatura musst du also auf jeden Fall machen... Ich würde dazu gerne eine kleine Übung mit dir machen, ok?“

Schülerin: „Ok“

Beraterin: „ Stell dir diesen Tag ganz genau vor, an dem du das Maturazeugnis in der Hand hältst. Vielleicht überreicht dir der Rektor das Zeugnis und schüttelt dir die Hand. Oder deine Eltern sind da und gratulieren dir. Versuch dir die Szene ganz genau vorzustellen. Wie ist es? Was ist das für ein Gefühl?“

Schülerin: „Ich bin richtig stolz auf mich, dass ich es geschafft habe. Meine Eltern natürlich auch. Und mein Freund, der gratuliert mir auch. Jetzt stehen mir alle Türen offen...“

Beraterin: „Es fühlt sich richtig gut an, oder? Glaubst du, diese Szene wäre etwas, auf das du hinarbeiten möchtest?“

Schülerin: „Auf jeden Fall!“

Beraterin: „Was steht dir denn bis zu dieser Szene am meisten im Weg?“

Schülerin: „Dass ich in Mathe nicht mitkomme und merke, dass ich es einfach nicht kann. Und dass ich dann aufgebe.“

Beraterin: „Das ist also eine Hürde, die wir uns anschauen müssen. Du sagst, es wäre schlimm nicht mitzukommen und den Anschluss zu verlieren. Wie könntest du mit dieser Situation umgehen?“

Schülerin: „Hmmmm.... ich könnte z.B. mit jemandem zusammen lernen, am Besten regelmässig vor den Prüfungen.“

Beraterin: „Das ist toll, du suchst dir also Hilfe bei einem Lernpartner. Ich möchte, dass du dir diese Situation ganz genau vorstellst, wie du merkst, dass es alleine nicht klappt und wie du das Telefon nimmst und deinen Lernpartner anrufst. Stell dir vor, wie du einen Termin mit ihm abmachst und wie die Stunden verlaufen. Wie ihr euch zusammen an die Matheaufgaben setzt und und euch gegenseitig unterstützt. Wie fühlt sich das an?“

Schülerin: „Schon viel hoffnungsvoller. Ich merke dann, dass ich nicht alleine bin und dass mir jemand weiterhilft....“

Beraterin: „Wie ist das für dich, so einen Plan zu schmieden und dir vorzustellen, wie du mit den Hürden umgehen willst?“

Schülerin: „Irgendwie ist es unangenehm, aber es macht mir auch Mut. Ich fühle mich dann nicht ganz so hilflos...“

Beraterin: „Und wenn wir nochmal zur Matura- Szene zurückgehen. Wenn du dir diese regelmässig vorstellst und ganz genau schaust, wie stolz du dabei bist und wie gut sich das anfühlt- glaubst du das könnte dich darüber hinaus zum Lernen motivieren?“

Schülerin: „Ich denke schon- ich könnte das ja mal ausprobieren..“

Die Szene zeigt, dass das Visualisieren von Zielen dabei helfen kann, die Antriebskraft neu zu wecken und eine „positive Aufbruchsstimmung“ zu vermitteln. Die mentale Vorbereitung auf mögliche Hürden ist zudem wichtig, um dem Jugendlichen vorab ein Rüstzeug zu geben, um mit Schwierigkeiten in der Realität umgehen zu können. Möchte man Jugendlichen diese Strategien näher bringen, so kann man gut auch mit einer abgespeckten Version beginnen, Verständnis zeigen und sie regelmäßig an ihr Ziel erinnern, indem man z.B. sagt „Ich verstehe, dass es im Moment mühsam ist für dich in der Schule.... stell dir mal vor, wie das ist, wenn du`s dann geschafft hast und das Abschluss/ Maturazeugnis in der Hand hältst. Wie sich das dann anfühlt...“. Auch ist es wichtig, mit den Jugendlichen zusammen nach Lösungen für potentielle Hürden zu suchen und sie zu aktivieren, darüber nachzudenken, wie sie diese bewältigen wollen.

Nicht alle Jugendlichen sind gleichermaßen offen für die verschiedenen „Motivationsansätze“. Nachdem die Anleitung erfahrungsgemäß anfangs etwas zäh verlaufen kann, empfiehlt es sich nicht aufzugeben und dem Jugendlichen immer wieder Angebote in die richtige Richtung zu machen. Häufig ist der erste Schritt aus dem Motivationstief bereits getan, wenn sich die Jugendlichen mit ihrer „Null- Bock- Haltung“ ernst genommen fühlen und den Eindruck haben, dass sie nicht alleine sind. 

Tipp-Video: Umgang mit dem inneren Schweinehund

 

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