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Was ist Hochbegabung?

Der Begriff der Hochbegabung stammt aus der Intelligenzforschung. Die Intelligenzforschung kann auf eine lange und kontroverse Geschichte zurückblicken.  Doch was ist überhaupt Intelligenz? Dazu haben sich Wissenschaftler insbesondere im Bereich der Persönlichkeitspsychologie ganz unterschiedlich geäussert. Binet und Simon (1905) beschrieben Intelligenz zum Beispiel als die Art und Weise, wie ein Mensch eine aktuelle Situation bewältigt, d.h. wie er urteilt, versteht und denkt. Für Wechsler (1944), einen der bedeutendsten Psychologen, dem wir zu grossen Teilen unser heutiges Verständnis des IQ- des Intelligenzquotienten- zu verdanken haben, ist Intelligenz die zusammengesetzte Fähigkeit eines Menschen, „zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinander zu setzen.“ So viele Konzepte es von der menschlichen Intelligenz gibt, so viele existieren auch zum Begriff der Hochbegabung. Im klassischen Sinne wird von einer Hochbegabung gesprochen, wenn ein Kind oder Erwachsener in einem standardisierten Intelligenztest einen Intelligenzquotienten von 130 oder mehr erzielt. Was bedeutet dies nun?

HochbegabungDie Intelligenz wird mithilfe von Intelligenzverfahren gemessen. Hier werden je nach Verfahren unterschiedliche Bereiche wie beispielsweise das logische Denken, das Allgemeinwissen, das Wortverständnis, die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, die Verarbeitungs- geschwindigkeit usw. mithilfe verschiedener Untertests geprüft. Anschliessend wird aus der individuellen Leistung ein Gesamtwert ermittelt. In einem zweiten Schritt wird das individuelle Ergebnis mit der Leistung Gleichaltriger (der sogenannten Normstichprobe) verglichen. Der Intelligenzquotient gibt also Ausschluss darüber, wie das Kind im Vergleich zu dieser Normstichprobe, den Gleichaltrigen, abgeschnitten hat.

68% der Kinder und Erwachsenen haben einen Intelligenzquotienten zwischen 85 und 115.

Bei einem IQ zwischen 115 und 130 spricht man von einer überdurchschnittlichen Begabung.

Ab einem Intelligenzquotienten von 130 (und mehr) geht man im Allgemeinen von einer Hochbegabung aus. Wenn ein Kind, nennen wir ihn Tobias, einen Intelligenzquotienten von 130 hat, entspricht dies einem Prozentrang von 98: 98% der Gleichaltrigen schneiden im Intelligenztest also schlechter ab als Tobias, nur 2% der Gleichaltrigen erzielen ebenso gute oder bessere Leistungen. Die Hochbegabung ist damit ein seltenes, aber dennoch ernst zu nehmendes Phänomen. Um sie zu erkennen bedarf es einer professionellen Abklärung, bei der nicht nur die Intelligenz gemessen, sondern auch Eltern und Lehrkräfte   befragt und das Kind in seinem Verhalten beobachtet wird. Sie schliesst ausserdem eine Untersuchung verschiedener Begabungsrichtungen oder Aspekte der Persönlichkeit mit ein.

Ein erfahrener (Schul-) Psychologe wird aus dem Mosaik der Testergebnisse, der Eltern- und Schulberichte, der Verhaltensbeobachtung des Kindes, sowie des Gesamteindruckes in der Regel einen ausführlichen Bericht erstellen. In diesem finden Sie neben dem allgemeinen Intelligenzquotienten auch ein Profil der Stärken und Schwächen des Kindes (die auch hochbegabte Kinder haben) sowie eine abschliessende Beurteilung. Im Falle einer Hochbegabung kann die Fachperson Sie über Fachstellen und Elternvereine informieren, die sich auf Hochbegabung spezialisiert haben, und die Ihnen als Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen können.  

Aus meiner diagnostischen Tätigkeit weiss ich, dass es häufig sehr lange dauert, bis eine Hochbegabung als solche erkannt wird. Das stereotype Bild des hochbegabten Kindes als „kleiner Wissenschaftler“, der in der Schule mit Höchstleistungen brilliert, entspricht nämlich in der Regel nicht der Realität. Diese Kinder fallen aufgrund ihrer Unterforderung überdurchschnittlich häufig durch schlechte Schulleistungen, unangemessenes Verhalten im Klassenverband oder durch Probleme im Sozialbereich auf.

Die „Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind“ e.V. hat in der Zusammenarbeit mit Begabtenforschern und erfahrenen Eltern eine Zusammenstellung an Auffälligkeiten hochbegabter Kinder herausgegeben. Wir haben diese im Folgenden für Sie zusammengefasst:

Auffälligkeiten im Vorschulalter

  • Rasches Aufkommen von Langeweile
  • Verweigerung und auffälliges Verhalten bei zu wenig anspruchsvollen Spielangeboten
  • Nicht altersgemässe Interessen
  • Schwierigkeiten, sich aufgrund dieser Besonderheiten sozial zu integrieren

Auffälligkeiten im Schulalter

  • Unterforderung im Unterricht
  • Häufige „Streber-„ oder „Besserwisserrolle“ im Klassenverband
  • Aufführen als „Klassenclown“, um akzeptiert und wahrgenommen zu werden
  • Schwierigkeiten, seinen Platz im Klassenverband zu finden
  • „Unerklärlich“ schwache Schulleistungen im Vergleich zur allgemeinen Intelligenz

Auffälligkeiten in der Freizeit

  • Wenig Interesse an „altersgemässen“ Hobbies
  • Hohes Mass an Perfektionismus
  • Kritische Auseinandersetzung mit sich selbst und Anderen
  • Geistig-verbale statt körperliche Auseinandersetzung
  • Sensibel für Zwischenmenschliches
  • Grosse Diskrepanz zwischen altersgemässer emotionaler Reife und überdurchschnittlicher intellektueller Reife
  • Gefühl des Ausgeschlossen- Seins

Hochbegabte Kinder haben eine Reihe von Stärken

Sie fallen nicht zuletzt durch ihre hohe Denkleistung, ihre sehr guten analytischen Fertigkeiten, ihre raschen Schlussfolgerungen, ihr hohes Verständnis für Probleme und Zusammenhänge, ein überdurchschnittliches abstraktes Denken, ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten, ein hohes Mass an Fantasie und Kreativität und ein ausgeprägtes Gespür im sozialen und emotionalen Bereich auf. Das hochbegabte Kind als solches gibt es jedoch nicht. Die Begabungsbereiche können sich ganz unterschiedlich verteilen und weisen ein individuelles Profil auf.

Erfahrungen aus der Diagnostik

Einige hochbegabte Kinder, die ich im Laufe der Zeit kennen gelernt habe, wurden wegen eines AD(H)S-Verdachtes oder eines Mobbingvorfalles zur Abklärung angemeldet. Andererseits habe ich auch viele Eltern erlebt, die beim eigenen Kind eine Hochbegabung vermuteten, obwohl die Auffälligkeiten auf eine AD(H)S oder emotionale Probleme zurückzuführen waren. In meiner praktischen Tätigkeit und in den Gesprächen mit anderen Fachpersonen habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei etwa 90% der Kinder, deren Eltern eine Hochbegabung vermuteten, eine ADS oder ADHS diagnostiziert wurde. Gerade aus diesem Grund ist eine umfassende Diagnostik so wichtig. Nur wenn wir wissen, welche Faktoren den Auffälligkeiten zugrunde liegen können wir als Eltern und Fachpersonen geeignete Unterstützungsmassnahmen einleiten und dem Kind die Förderung zukommen lassen, die es braucht. „Fördern durch Fordern“ lautet die Maxime bei der Unterstützung hochbegabter Kinder. Spezialisierte Fachstellen, Schulen und Vereine können Eltern bei dieser anspruchsvollen Aufgabe unterstützen.

Autorin: Stefanie Rietzler

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

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