Weitere Tipps für Eltern

Der Survival-Guide für Mütter - Interview mit der Mutterkuttercrew

"Liebe Mamas, legt euer schlechtes Gewissen ab! Der Tag ist nie lang genug, wir haben wieder nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben, wir hätten dies oder das wirklich besser machen können, wir sind selten wirklich zufrieden mit uns und klopfen uns mal so richtig fest auf die Schulter. Das ist im Grunde fatal, denn so leben wir in einem ewigen Kampf mit uns selbst", erzählen die vier Mütter vom Mutterkutter. Im Interview stellen Doro, Kerstin, Judith & Isabel ihr Überlebenshandbuch für Mütter vor.

Liebe Mutterkutter-Crew, ihr seid vier Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen  (Medienschaffende, Hebamme, Frauenärztin, Psychologin), habt insgesamt 16 (bald 17) Kinder, und gemeinsam einen Survival-Guide für Mamas geschrieben. Ganz frech gefragt: warum brauchen Mütter heute überhaupt ein Überlebenshandbuch?
Das ist eine sehr gute Frage! Zunächst einmal denken wir, dass eigentlich jeder Mensch einen Survival-Guide bräuchte. Ein solches "Überlebenshandbuch" zu lesen oder zu brauchen, bedeutet ja nicht, dass man sein Leben nicht im Griff hat oder alles grundsätzlich ein riesen Chaos ist- ganz im Gegenteil! Wir alle, Frauen, Männer, Kinder, Ältere, Jüngere, leben mittlerweile in einer sich wahnsinnig schnell drehenden Welt. So viele Möglichkeiten und Chancen, aber auch Erwartungshaltungen und Druck von allen Seiten prasseln auf uns ein. Da kann man sehr schnell den Überblick verlieren und vor allem ein gutes und sicheres Gefühl für sich selbst. Schnell läuft man Gefahr, sich tatsächlich auch gleich selbst als Person zu verlieren. Unser Gefühl ist, dass besonders Frauen und Mütter in dieser Hinsicht gefährdet sind. Das kennen wir vom Mutterkutter nur allzu gut! Wir sind vier Frauen, Mütter von bald 17 Kindern. Wir stehen alle mitten im Leben und versuchen, sowohl privat als auch beruflich unser bestes zu geben. Wir haben eigene Wünsche und Bedürfnisse, die im Familienalltag häufig hinten runterfallen. Und wir haben natürlich auch Wünsche und Bedürfnisse, was unsere Partnerschaften angeht. Kurzum: Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist häufig ein wahres Mammut-Projekt! Und genau deshalb haben wir dieses Buch geschrieben. Um
anderen Frauen und Mamas zu zeigen: Hey, ihr seid nicht allein! Und, hey, lasst uns gemeinsam schauen, wie wir uns unseren Alltag leichter machen!

Wir erleben viele Mütter, die sich permanent am Limit fühlen und finden, dass sie sich ja gerne mehr um sich selbst oder ihre Partnerschaft kümmern würden - aber ihnen dazu im Kinderbetreuungs-, Arbeits- und Alltagschaos schlicht die Zeit fehlt. Was sagt ihr dazu? Und was würdet ihr da als ersten konkreten Schritt raten?
Der erste Schritt ist vermutlich der wichtigste, aber vielleicht auch der schwerste. Für uns bedeutet er ganz klar: Liebe Mamas, legt erst einmal euer schlechtes Gewissen ab! Das ist nämlich etwas, was wir von uns nur allzu gut kennen und was wir auch bei sehr vielen anderen Müttern beobachten - dieses chronische schlechte Gewissen. Der Tag ist nie lang genug, wir haben wieder nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben, wir hätten dies oder das wirklich besser machen können, wir sind selten wirklich zufrieden mit uns und klopfen uns mal so richtig fest auf die Schulter. Das ist im Grunde fatal. denn so leben wir in einem ewigen Kampf mit uns selbst. Wir gehen
sogar noch weiter und behaupten: Unsere Kinder haben ein Recht auf eine glückliche und zufriedene Mama und natürlich auch ausgeglichene und mit sich harmonische Eltern.
Befinden wir uns aber ständig in einem Hamsterrad und in Diskussionen mit unserer*m Partner*in, ist es quasi unmöglich, mit uns selbst und unserer Partnerschaft im Reinen zu sein. Deshalb ist es für die ganze Familie wichtig, dass wir als Mütter regelmäßig sagen: "Stopp! Pause! Ich brauche jetzt Zeit für mich! Jetzt brauchen wir Zeit für uns!" Und das ganz ohne schlechtes Gewissen, sondern mit dem sicheren Wissen, dass es eine wichtige Investition in die gesamte Familie ist.

In eurem Buch vermittelt ihr Tipps zu den Themen "Haushalt", "Kita, Schule und Job", "Wutanfälle, Wackelzahn Pubertät und Schulfrust", "Liebe und Sex" sowie "Gesundheit, Fitness und mentale Stärke". Was ist euer jeweiliger Lieblings-Life-Hack aus dem Buch und warum?

Survival GuideJudith: Meiner ist ganz klar "Gesundheit, Fitness und mentale Stärke". Wenn man sich als Mama in diesem Bereich gut fühlt, dann ist man für alle großen und kleinen Katastrophen gewappnet!

Kerstin: Mein Lieblings-Hack ist das Kapitel, wo es um die Liebe und Beziehung und natürlich auch um Sex geht. Ich erlebe immer wieder, dass es in Beziehungen nach Geburten immer fürchterlich kracht. Sobald der erste „Zauber“ vorbei und der Alltag eingekehrt ist, rumst es im Karton. Die Mutter fühlt sich ausgelaugt, alles bleibt an ihr hängen. Sie vermisst vielleicht ihre Arbeit und auch soziale Kontakte. Der / die Partnerin ist nicht immer greifbar und los geht es mit Vorwürfen und Zerwürfnissen. Wir geben in unserem Buch sehr gute Lösungsstrategien vor, wie man vor allem die Themen: Kommunikation in der Partnerschaft und Beziehung auf Augenhöhe wieder in den Griff bekommt. Wir finden diese Themen sehr wichtig, da ja niemand ein Interesse daran hat, seine Beziehung gegen die Wand zu fahren.

Doro: Tatsächlich habe ich mir Kerstins Tipp „Sag ́ was du willst, dann bekommst du, was du willst“ sehr zu Herzen genommen - und die letzten Monate auch erfolgreich umgesetzt. Ich habe gemerkt, dass ich viele Wünsche gar nicht so meiner Familie gegenüber artikuliert habe, sondern einfach (oft blind) „gemacht“ habe und dadurch in meinem „Doro-macht- schon-Rad“ festgesteckte - oft hatte ich aus irgendeinem Grund das Gefühl, ich „müsste“ es allen recht machen. Totaler Quatsch, das weiß ich - vor allem, weil mein Mann mir das schon lange gesagt hat. Kerstins Satz hat mich dann richtig wachgerüttelt. Manchmal ist es eben dieser Impuls von Außen, den ich brauche. Heute sage ich beispielsweise viel eher Bescheid, wenn ich Zeit für mich brauche. Aber auch im Job habe ich diesen Satz verinnerlicht. Er macht mich selbstbewusster - und glücklicher.

Was ist aus eurer Sicht das Hilfreichste, wenn man mit den Kindern durch anstrengende Zeiten geht?
Uns hilft es wahnsinnig, wenn wir uns selbst bewusst machen (oder uns immer wieder gegenseitig versichern), dass jede Phase ein Ende hat. Zu wissen, dass dieser Zustand nicht ewig anhält, sondern einfach eine schwierige Momentaufnahme, ein anstrengender, aber wichtiger Entwicklungsschritt unserer Kinder ist, nimmt direkt die Dramatik aus der Situation. Es bleibt nicht so, es kommen wieder viel einfacherer und ausgeglichenere Momente und am Ende eines jeden Entwicklungsschrittes sind sowohl unsere Kinder, als auch wir Eltern wieder ein ganzes Stückchen (zusammen-)gewachsen.

In eurem Buch geht es an vielen Stellen darum, sich von perfektionistischen Ansprüchen, Konkurrenzdenken, Selbstvorwürfen und Erwartungen des Umfelds frei zu machen. Was macht Müttern denn eurer Erfahrung nach dabei das Leben besonders schwer?
Tatsächlich haben wir das Gefühl, dass immer noch sehr, sehr kritisch und häufig auch nicht sehr wohlwollend auf Mütter geblickt wird. Das stimmt uns persönlich sehr nachdenklich, macht uns an vielen Stellen traurig, ja, manchmal auch richtig wütend. Entscheidet sich eine Mutter neben ihrer Familie einen Vollzeitjob auszuführen, hagelt es nach wie vor Kritik, dass "man dann ja keine Kinder hätte bekommen müssen". Bleibt eine Mama zu Hause und organisiert in einem Vollzeit-Turnus Kinder, Haus und Familie, werden schnell Stimmen laut, warum "sie denn dann überhaupt studiert/ eine Ausbildung gemacht hat". Nach wie vor wird oft versucht, Mütter in Formen und Konventionen zu drücken, die ihnen absolut nicht gerecht werden. Statt sie zu unterstützen, erhalten sie viel zu oft gut gemeinte Ratschläge, Vorwürfe und Kritik. Leider nicht nur von männlicher Seite, sondern auch von weiblicher. Wir haben leider schon oft erlebt, dass auch Mütter unter sich sehr harsch und sehr verletzend miteinander
umgehen können. Wir wünschen uns, dass damit Schluss ist. Auch das ist immer wieder in unserem Buch: Du bist großartig, wie du bist! Du bist einzigartig! Du entscheidest! Dafür stehen wir auch als die vier Mutterkutter-Frauen, die wir sind. Alle in verschiedenen Lebensabschnitten, mit ganz unterschiedlichen Lebensmodellen.

Was können Mamas tun, wenn es ihnen schwerfällt, nein zu sagen und sich von eigenen und fremden Ansprüchen zu verabschieden - zu einem Amt in der Schule, dem selbstgebackenen Kuchen, dem kräftezehrenden Verwandtschaftsbesuch?

Hier kommen wir direkt wieder zu dem Thema "Das blöde schlechte Gewissen". Wenn wir als Mamas "Nein" sagen, überfällt uns das nämlich ganz schnell. Wir haben ein schlechtes Gewissen und fühlen uns, ja, einfach schlecht. Deshalb winden wir uns und sagen lieber "Ja" als "Nein", obwohl es uns wieder einmal mehr in eine zeitliche Bredouille bringt oder wir es im Grunde eigentlich schlicht nicht machen möchten. Deshalb auch hier die Erinnerung an den ersten und wichtigsten Schritt: Weg mit diesem chronisch schlechten Gewissen! Wenn wir aktuell nicht wissen, wie wir unseren Alltag gemanaged kriegen sollen, wenn wir sowieso schon durch den Tag rennen, dann müssen wir nicht auch noch Elternbeirätin werden. Wenn unser Familienkalender rappelvoll ist, wir nicht wissen, wann wir überhaupt den Großeinkauf für die Familie machen sollen, dann müssen wir nicht noch lactosefreie, handverzierte Muffins für die gesamte Klasse backen. Alles hat seine Zeit. Wenn die Dinge wieder ruhiger laufen, dann sagen wir beim nachten Mal aus vollstem Herzen wieder „Ja"!

...stattdessen setzt ihr sehr stark darauf, die Selbstliebe und das Selbstvertrauen eurer Leserinnen zu stärken, habt dazu auch viele konkrete Übungen im Buch. Warum ist euch das so wichtig?
Weil wir am Ende im Grunde am besten die Mütter sein können, die wir sein möchten, wenn wir selbst mit uns zufrieden sind. Wir können umso mehr Liebe, Sicherheit und
Selbstvertrauen an unsere Kinder und unsere Mitmenschen weitergeben, wenn wir uns selbst geliebt, sicher und wohlfühlen. Und das ist das wichtigste, was wir uns selbst geben können. Alles, was wir in uns investieren, fließt automatisch in unsere Familie zurück.

Ein wiederkehrendes Thema ist auch die eigene Wut, die in stressigen Momenten hochkocht: auf die Kinder oder den Partner, die sich nicht so verhalten, wie man das möchte. Irgendwelche Erste-Hilfe-Tricks, die euch ganz persönlich weiterhelfen?

Diese Wut entsteht ja meist, wenn wir selbst in einem großen Defizit mit unseren eigenen Bedürfnissen stehen. Sind wir müde, ausgelaugt und ausgebrannt, dann ist unsere
Toleranzgrenze sehr gering. Schnell fragen wir uns:" Warum muss immer ICH an alles denken?" "Warum muss immer ICH alles erledigen?" Und schnell packt uns eine unbändige Wut.
Das wichtigste ist deshalb vermutlich, es gar nicht erst soweit zu kommen zu lassen! Und genau auf diesem Weg möchten wir unsere Lese*innen mit unserem Buch begleiten. Und schließlich geht es darin auch um ganz pragmatische Tipps und Lösungsansätze in schwierigen Situationen. Die gibt es nämlich immer wieder in jeder Familie und häufig ist da guter Rat teuer.

Alles in allem wünschen wir uns, dass unsere Leser*innen nach dem Lesen unseres Survival-Guides mehr auf sich selbst achten, mehr in sich selbst investieren, eine für jede Familie individuell passende und richtige Aufgabenteilung finden und überhaupt viel weniger in diese typischen Situationen kommen, in denen gar nichts mehr geht, nur noch wahlweise Resignation oder Wut vorherrschen und viiiel öfter abends mit dem ruhigen Gefühl ins Bett gehen: Das war ein RICHTIG guter Tag!

Über die Mutterkutter-Crew

AvatareSurvivalGuideMutterKutter

Der Mutterkutter, dahinter stehen Doro Dahinden (Käpt'n, Mama von 2 Kindern – und beruflich: TV-Reporterin), Kerstin Lüking (sieben Kinder, Hebamme, Buchautorin), Dr. Judith Bildau (fünf Kinder, Frauenärztin) und Isabel Huttarsch (zwei Kinder, Psychologin). Was sie gemeinsam auf MutterKutter tun, ist eine Herzensangelegenheit. Sie möchten mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen anderen Müttern und Eltern helfen: das Leben zeigen, vom Perfektionismus Abschied nehmen und den Leser/innen mit ihrer Arbeit vermitteln: wir sitzen alle im gleichen Boot (Kutter).

Illustration: Verena Potthast, www.rundfux.de

 

Der Buchtrailer zum Survival-Guide für Mamas

 Zum Buch hier entlang...

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