Prüfungsängste und Schulängste bewältigen

Prüfungsangst: Tipps gegen Blackouts

"Und plötzlich ging gar nichts mehr! - Mein Kopf war wie leer - alles war weg! Als die Prüfung vorbei war, ist mir alles wieder eingefallen!"

Erste Hilfe gegen Blackouts

Enttäuscht kommt Thomas von der Mathematikprüfung nach Hause. Zu Hause konnte er es doch – aber an der Prüfung, erzählt er, sei ihm plötzlich nichts mehr eingefallen. Er hatte ein „richtiges Blackout“. 

Solche Berichte hören wir immer wieder. Es will ihnen an der Prüfung einfach nicht gelingen, das Gelernte abzurufen. Was kann man dagegen tun?

Wenn es sich nicht um starke Prüfungsängste handelt, helfen meist schon ein paar einfache Tipps, Blackouts zu reduzieren. Dabei erklären wir Kindern und Jugendlichen, dass Blackouts durch eine Überlastung mit Informationen entstehen. Sie können sich dies so vorstellen, als wäre ihr Arbeitsspeicher begrenzt. Werden zu viele Informationen auf einmal verarbeitet, stürzt das System ab. Wie kommt es zu diesen Abstürzen? Meist durch einige ungünstige „Strategien“, die viele Kinder und Jugendliche verwenden.

Lernen bis kurz vor der Prüfung

Die meisten Kinder und Jugendlichen, die über Blackouts berichten, lernen bis kurz vor der Prüfung. Sie lernen in den 5-Minuten-Pausen vor der Prüfung oder legen sich das Buch in der Schulstunde davor auf die Knie, um noch kurz wiederholen zu können. Dabei entwickeln sie oft das Gefühl, dass sie noch nicht genügend gelernt haben. Gedanken wie: „Mist, das kann ich nicht!“ schiessen ihnen durch den Kopf und bauen Stress auf, der mit in die Prüfung genommen wird und das Denken blockiert.

Die Regel gegen Blackouts lautet: Am Tag der Prüfung selbst wird nicht mehr gelernt!

Mit den anderen über die Prüfung sprechen

Ähnlich ungünstig ist die Angewohnheit, mit den Klassenkameraden über die Prüfung zu sprechen und sich mit Fragen verrückt zu machen. Fragen wie „Hast du das gelernt?“ oder „Muss man das können?“ und panikartige Versuche, noch etwas in den Kopf zu drücken, bringen die Kinder und Jugendlichen aus dem Konzept.

Die Regel gegen Blackouts lautet: Vor der Prüfung ziehe ich mich etwas zurück, höre mein Lieblingslied (sofern das in der Pause erlaubt ist) und spreche nicht über die Prüfung.

Alle Fragen durchlesen und sich unter Druck setzen

Beim Lösen der Prüfung selbst zeigen Schüler/innen, die unter Blackouts leiden, oft ungünstige Strategien, die sich insbesondere bei Prüfungen in den mathematischen Fächern negativ auswirken.

Die erste Strategie besteht darin, sich zu Beginn der Prüfung alle Aufgaben anzusehen. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Strategie, die für entspannte Schüler durchaus nützlich ist. Diese denken sich: „Aha, diese Aufgabe ist die einfachste, bei der beginne ich.“ Bei Schülern, die Blackouts haben, hören sich die Gedanken, die beim Durchlesen entstehen, eher so an: „Mist, die kann ich nicht!...die auch nicht! Wieviele Punkte brauche ich für eine genügende Note? Ich mache mal die… wenn ich zwei nicht kann, reicht es mir sicher nicht!...“ Es zeigt sich, dass diese Schüler beim Lösen der ersten Aufgabe darüber nachdenken, wieviele Punkte sie benötigen, welche anderen Aufgaben sie nicht können etc. Es gelingt ihnen kaum mehr, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren.

Die zweite negative Strategie besteht darin, ständig zwischen Aufgaben hin und her zu hüpfen, um möglichst schnell vorwärtszukommen. Oft gehen diese Schüler/innen von der Fehlannahme aus, dass sie es mathematischen Aufgaben sofort ansehen, ob sie diese lösen können oder nicht. Sie lassen sich keine Zeit, sich die Aufgabe in Ruhe anzusehen und nachzudenken. Stattdessen springen sie gleich zur nächsten Aufgabe, kommen dann auf die erste Aufgabe zurück und verlieren Zeit, indem sie sich immer wieder neu in die Aufgabe eindenken müssen. Gedanken wie: „Mir läuft die Zeit davon!“ und „ich werde nicht fertig! Ich muss mich beeilen!“ verstärken den Stress und blockieren das Denken.

Die Regel gegen Blackouts lautet: Ich nehme ein leeres Blatt mit an die Prüfung und decke die Aufgaben zu. Dann decke ich nur eine Aufgabe auf, nehme mir Zeit, diese gut durchzulesen und nachzudenken. Ich versuche sie zu bearbeiten und gehe erst zur nächsten Aufgabe, wenn ich sie gelöst habe oder wirklich nicht weiterkomme. Ich sage mir: „Ich darf mir Zeit lassen und in Ruhe nachdenken!“

In Panik geraten

Selbst wenn ein Blackout entsteht und ein Schüler plötzlich merkt „Mir fällt nichts mehr ein!“ ist noch nicht alles verloren. Meist hilft es, wenn man sich bewusst einen Moment Zeit nimmt, um die Angst in den Griff zu bekommen. Dabei hilft es, sich zurückzulehnen, das Prüfungsblatt kurz umzudrehen und sich zu sagen: „O.k. du hast Angst. Das ist in Ordnung. Atme einfach tief durch. Du kannst die Prüfung auch schreiben, wenn du nervös bist“.

Der letzte Punkt ist wichtig: Oft haben Schüler das Gefühl, sie seien verloren, sobald die Angst auftaucht. Dies ist aber insbesondere deshalb der Fall, weil sie erste Anzeichen von Angst als Katastrophe interpretieren. Sie spüren vielleicht ihr Herz klopfen (was an einer Prüfung völlig normal ist) und denken: „Jetzt fängt das wieder an! Mein Herz rast! Gleich fällt mir wieder nichts mehr ein!“ Diese Stressgedanken verstärken die Angst und damit die Symptome wie Herzklopfen, Schwindel und Schwitzen. Deutlich weniger Schwierigkeiten haben Schüler, die die Angst als Teil der Prüfung akzeptieren können und sich davon nicht stören lassen oder leichte Nervosität sogar willkommen heissen wie viele Schauspieler, die beispielsweise sagen, dass sie ohne Lampenfieber niemals gleich gut spielen könnten.

Die Regel gegen Blackout lautet: Ich akzeptiere meine Angst und sage mir: „O.k. du bist nervös – und du darfst nervös sein. Atme tief durch und konzentriere dich wieder auf die Aufgabe.“

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Passend zum Thema: Unser Film "Der kleine Biber überwindet seine Vortragsangst"

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