Motivation / Aufschieben

Engagiere dich! - Warum Minimalismus so schädlich ist

Viele Schüler/innen sind Experten darin, kurz vor einer Prüfung mit dem minimalen Aufwand das Maximum herauszuholen. Manchmal gibt es unter Schülern (sogar unter Studierenden) einen richtigen Wettbewerb um die Frage, wer am wenigsten gelernt und dennoch eine gute Note geschafft hat. Diese Haltung machen wir im Lerncoaching immer wieder zum Thema, denn: Sie ist schädlich und raubt Lernenden mit der Zeit jegliche Motivation!

Warum Minimalismus so schädlich ist

In meinem Buch "Vom Aufschieber zum Lernprofi" findet sich der folgende kurze Dialog mit einer Psychologiestudentin, den ich an dieser Stelle wiedergeben möchte:

Sonja: Bisher hat es auch immer gereicht, wenn ich in den zwei Wochen vor den Prüfungen gelernt habe.

Fabian: Ja. Ich glaube auch, dass das weiterhin reichen wird. Du lernst schnell und weißt, wie man beim Lernen Prioritäten setzt…

Sonja: Ja….?

Fabian: Darf ich dir eine unbequeme Frage stellen?

Sonja: Ja?

Fabian: Du studierst Psychologie. Wie wirst du dich am Ende des Studiums fühlen? Wenn du einem Klienten gegenübersitzt? Wie wird es sich anfühlen, zu wissen: Eigentlich habe ich mich nie auf mein Fachgebiet eingelassen? Ich habe schlicht mit minimalem Aufwand die Prüfungen geschrieben…?

Sonja: Hm…

Fabian: Was würdest du über deinen Hausarzt denken, wenn du hören würdest, dass er auf diese Weise studiert hat?

Sonja: Ich würde den Arzt wechseln…

Die Fähigkeit von Sonja, sich effektiv auf Prüfungen vorzubereiten ist wertvoll. Natürlich darf und sollte sie auf diese Ressource zurückgreifen um beispielsweise Fächer vorzubereiten, die wenig mit ihrem Berufswunsch zu tun haben.

Problematisch wird es, wenn Schüler und Studierende alles mit dieser Haltung anpacken.

Minimalismus

Minimalisten sind ausschließlich auf Noten fixiert

Minimalismus führt zu einem übermäßigen Fokus auf Noten. Alles dreht sich um die Frage, wie man mit minimalem Aufwand möglichst gute Zensuren schreiben kann. Genau dieses Problem wird Sonja im Gespräch bewusst: Einem Arzt, der auf diese Weise studiert hat, würde sie nicht zutrauen, dass er während des Studiums tatsächlich etwas gelernt hat, auch wenn er die nötigen Abschlüsse vorweisen kann.

Minimalismus verhindert, dass wir uns auf ein Fach oder ein Thema einlassen und echtes Interesse entwickeln. Egal ob bei der Arbeit, in der Schule oder im Studium: Wenn wir alles auf Effizienz ausrichten und nur noch das tun, was unmittelbar mit der nächsten Prüfung zu tun hat oder Punkte gibt, verlieren wir den Bezug zum Inhalt. 

Im Coaching arbeiten wir daher auch daran, den emotionalen Bezug zu Schule und Studium wiederzufinden. Wir sprechen immer wieder über Fragen wie:

  • Warum habe ich mich für diesen Weg entschieden?
  • Was will ich nach der Schule / dem Studium wissen und können?
  • Wie kann ich die Schule für meine späteren Berufsziele nutzen?
  • Welche Fächer machen mir Freude und wie könnte ich mich in diesen Fächern mehr einbringen?
  • Welches Fach könnte mir mehr Spaß machen, wenn ich mich bewusst ein wenig mehr engagiere?

Es hat mich daher sehr gefreut, dass die Psychologin Katharina Tempel genau die Aspekte zur Haltung in meinem Buch besonders angesprochen haben. Im Video spricht sie darüber, warum Engagement, ein dynamisches Selbstkonzept und persönliche Ziele so wichtig sind und welche Rolle diese Punkte in ihrem eigenen Studium gespielt haben.

Sich engagieren heißt, gegen den Strom zu schwimmen

Sich zu engagieren ist eine bewusste Haltung, die von uns verlangt, ein Stück weit über den Dingen zu stehen und uns die Frage zu stellen, worauf es wirklich ankommt. Prüfungen, Noten und Kontrolle stehen echtem Engagement oft entgegen. Das konnte ich an der Universität miterleben. Ich habe mein Studium noch mit Lizentiat abgeschlossen. Nach dem Grundstudium waren wir sehr frei und ich hatte die wunderbare Gelegenheit, mich in die Fachgebiete zu vertiefen, die mich am meisten interessierten und dazu hunderte Bücher zu lesen. 

Als ich später als Dozent an der Uni arbeitete, wurde die Bologna-Reform umgesetzt. Neben vielen Vorteilen brachte diese Reform auch eine Verschulung des Studiums mit sich. Plötzlich musste nach jedem Semester in jeder Vorlesung eine Prüfung geschrieben werden, ich musste als Dozent tatsächlich die Anwesenheit überprüfen (bei Erwachsenen!) und die Studierenden mussten darauf achten, dass sie ihre Punkte zusammenkriegen. Plötzlich ging es in den Gesprächen vieler Studierenden nur noch um diese verdammten Punkte und nicht mehr um die Inhalte. Der engeren Führung und dauernden Evaluation stellten viele Studierenden einen Minimalismus entgegen, der ein Stück weit auch dem Selbstschutz diente. Doch: Je mehr wir von außen evaluiert und kontrolliert werden, desto mehr sollten wir uns Gedanken darüber machen, was uns wirklich wichtig ist. Und vielleicht können wir da und dort dazu beitragen, dass wir uns in Studium, Schule und Beruf wieder mehr Freiheit zurückerobern können.

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