Lernplanung

"Müllzeit" reduzieren

Eine wichtige Strategie, um die Arbeitszeit effizienter und die Freizeit erholsamer zu gestalten....

Dominik steht kurz vor der Matura. Er wird in den Fächern Mathematik, Deutsch, Geschichte und Englisch geprüft. Schon einige Wochen vor der Prüfungswoche schaut er sich den Stoff an, teilt ihn in Unterkapitel ein und legt sich einen Lernplan an (zur Gestaltung eines Lernplanes finden Sie hier hier nähere Informationen).

Nach der Schule beginnt er mit der Vorbereitung, schreibt Zusammenfassungen und Merkkarten. Kurz bevor er jeweils mit der Lerneinheit anfängt, bekommt er schon schlechte Laune und ärgert sich darüber, dass er diesen „Mist“ lernen muss. Während des Lernens denkt er dauernd daran, dass er viel lieber alles verschieben würde, in diesem Moment mit Freunden an den See fahren oder sich gemütlich vor den Fernseher setzen möchte. Damit ihm die Lust am Lernen nicht ganz vergeht, bleibt er währenddessen im Facebookchat, damit er wenigstens ein bisschen Kontakt zur Außenwelt hat. Am Abend wird die Lieblingsserie geschaut, dabei aber keine Zeit vertrödelt. Immerhin lernt Dominik währenddessen noch seine Lernkarten. Manchmal gönnt Dominik sich diese Freizeit, fährt an den See oder geht zum Fußballtraining. Dabei plagt ihn immer wieder das schlechte Gewissen, dass er doch eigentlich lernen müsste und sich das gar nicht leisten kann. Er kann die Freizeit in diesen Momenten nicht richtig genießen. Vom unguten Gefühl befallen legt er wieder mehrstündige Lernmarathons ein, bis er völlig ermüdet ist.

Wir alle kennen Mitschüler oder Mitstudenten wie Dominik. Sie fallen uns oft gerade deswegen auf, weil sie stundenlang in der Bibliothek sitzen und lernen, bis wir uns selbst dabei ertappen, uns zu fragen: „wie macht er das bloß?“. Wenn Dominik durch eine Prüfung fällt, wundert man sich, gerade weil man ihn stundenlang hat lernen sehen. Wir würden uns fragen, wie das passieren kann, dass jemand, der so viel und lange lernt, die Prüfungen nicht besteht. Machen wir uns auf Spurensuche...

Es ist nicht nur entscheidend, wieviel Zeit man für das Lernen aufbringt, sondern was genau man in dieser Zeit tut!

Um 20 Vokabeln auswendig zu lernen kann man 30 Minuten aufwenden- oder auch 3 Stunden. Warum? Weil die relative Lernzeit und auch die Pausen darüber entscheiden, wie effektiv wir arbeiten. Pausen zu machen, bevor wir müde werden, könnte uns helfen, mit einem guten Gefühl aufzuhören und unser Leistungsniveau zu erhalten.

Ein weiterer Faktor ist die relative Lernzeit. Sie ist die Zeit, in der wir wirklich konzentriert lernen. Es ist die Lerneinheit, in der wir nicht parallel fernsehen, uns selbst für unsere schlimme Situation bemitleiden, der verlorenen Freizeit nachtrauern oder kurz einem Kollegen im Skype antworten...

In unseren Seminaren fragen wir die Schüler und Studenten immer wieder, wie lange sie für ein bestimmtes Fach lernen. Auch wollen wir wissen, wie effizient sie diese Lernzeit einschätzen. Oft sind sie ganz überrascht, wie wenig „relative Lernzeit“ übrig bleibt, wenn sie sich darüber Gedanken machen, wieviel Zeit sie während des Lernens mit anderen Dingen verbringen, die eigentlich in die Freizeit gehören. Dass sich Lernen und Freizeit vermischen ist nicht selten. Wie Dominik passiert es vielen Schülerinnen und Schülern, dass sie während des Lernens an die Freizeit denken und in der Freizeit ein schlechtes Gewissen haben, weil sie eigentlich lernen müssten. Diese Zeit, in der sich Arbeit und Freizeit vermischen, nennen wir „Müllzeit“.

Mllzeit Bild

Die „Müllzeit“ ist deshalb Müll, weil man sich in dieser Zeit weder erholt, noch richtig vorankommt. Die Schüler wollen sich das Lernen versüssen, vermiesen sich letztendlich aber nur die Freizeit. So kann man stundenlang „lernen“ und dabei wenig aufnehmen und sich hinterher wundern, warum man sich einfach nicht mehr an diese Vokabeln erinnern kann, die man vor dem Fernseher gelernt hat....

Sich entscheiden: Lernen oder Freizeit und so die Müllzeit reduzieren

Wer die Lerneinheiten effektiver und die Freizeit erholsamer machen möchte, sollte versuchen, die Müllzeit zu reduzieren. Dies geht am besten, indem ich mich aktiv entscheide: „Lerne ich jetzt oder mache ich Freizeit?“. Ich wähle eine Alternative (Fernsehen oderWörterlernen; Facebookchat oder Essay schreiben; An den See fahren oder mich selbst bemitleiden, dass ich so viel lernen muss). Ein Vorsatz kann sein „Ich entscheide mich. Wenn ich lerne, dann lerne ich und wenn ich Freizeit habe, tue ich das- und nur das-, was mir Spaß macht“. So eine Entscheidung kann unglaublich befreiend sein. Wenn ich mir darüber bewusst bin, dass Lerneinheiten uneffektiv sind, in denen ich „nicht voll da“ und mit meinem Kopf in der Freizeit bin, muss ich mich in der Freizeit nicht mit einem schlechten Gewissen plagen. Wenn ich jedoch diese Freizeit als erholsam erlebe, weil ich mich dafür entschieden habe, keine „Müllzeit“ zu verbringen, so habe ich mehr Kraft und Motivation für die effektiven Lernphasen. 

Viele Schüler haben uns erzählt, dass es ihnen sehr geholfen hat, sich mit ihrer eigenen „Müllzeit“ auseinanderzusetzen. Eine Schülerin sagte mir zum Beispiel, dass sie auf einmal viel mehr Zeit hat, weil das Lernen nicht mehr so lange und mühsam sei und sie die Freizeit bewusster erlebe. Die „Müllzeit“ zu reduzieren, indem man sich für eine Alternative entscheidet und entweder effektiv und effizient lernt oder die Freizeit in vollen Zügen geniesst, ist also eine einfache Strategie, die große Wirkung entfalten kann.

Autoren dieses Artikels: Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund

Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund sind Psychologen und leiten gemeinsam die Akademie für Lerncoaching in Zürich.

Stefanie Rietzler Fabian Grolimund Konzentration

Die beiden verbindet eine große Begeisterung und Leidenschaft für das Schreiben von Büchern.

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

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