Gastbeiträge zu "ADHS/Lernstörungen"

Zentangle: Diese neue Methode fördert die Konzentration Ihres Kindes

Gastartikel von Uta Reimann-Höhn

Wenn Sie in letzter Zeit mal in einer Buchhandlung waren, sind Ihnen vielleicht auch schon die vielen Malbücher aufgefallen, die neuerdings auf großen Tischen im Eingangsbereich präsentiert werden. Dabei handelt es sich um verschiedene Variationen des sogenannten Zentangle. Wie eine Sucht greift die Leidenschaft nach den „Kritzeleien“ um sich. Besonders gestresste Kinder mit einer schlechten Konzentration können von dem kreativen „Gekritzel“ profitieren. In meiner lerntherapeutischen Praxis integriere ich die Technik mit großem Erfolg.

Das Prinzip von Zentangle ist ganz einfach und vielleicht gerade deswegen so beliebt. In einen 9 x 9 cm kleinen Rahmen werden mit einem schwarzen Fineliner abstrakte, kleine Muster gezeichnet. Der Maler selber entscheidet, wann sein Bild fertig ist. Während des Zeichnens legt sich eine große Ruhe über die kleinen Künstler. Sie vergessen ihre Umgebung und konzentrieren sich vollkommen auf ihr Gemälde. Dabei geht es um das Malen selbst, nicht um das Ergebnis.

Was bedeutet "Zentangle"?

Der Begriff Zentangle setzt sich aus dem japanischen Wort ZEN (Buddhismus) und dem amerikanischen Wort rectangle (Rechteck) zusammen.

Jedes Motiv eignet sich für ein Zentangle

konzentration fördern zentangle

Bei dieser Form des Malens gibt es kein Richtig und kein Falsch, solange sich das Bild in den vorgegebenen Rahmen einfügt. Es geht also nicht um eine Bewertung, sondern nur um das Loslassen der Gedanken und der Anspannung beim Führen des Stiftes. Wenn Kinder das erst einmal verstanden haben, finden sie schnell Gefallen am kreativen Zeichnen. Oft sind sie sehr erstaunt, wenn ein fertiges Bild dabei herauskommt. So etwas haben sie sich selber gar nicht mehr zugetraut.

Die pädagogischen Vorteile des Zentangle

Natürlich ist die Beschäftigung mit einer kreativen Tätigkeit schon für sich gesehen etwas Positives. Doch für unkonzentrierte und unruhige Kinder, die ständig „angeknipst“ sind und sich selbst im Wege stehen, kann sie sehr heilsam sein.

Erfolgserlebnisse stellen sich schnell ein, denn die zu bemalende Fläche ist nicht groß.

Beim Zeichnen kommt die Konzentration ganz von selbst. Jedes Kind malt so lange, wie es möchte. Nach und nach steigert sich dann die Aufmerksamkeitsspanne.

Eine Bewertung des Bildes findet nicht statt, jedes ist für sich gesehen ein kleines Kunstwerk.

Zentangles können mit einem Blatt Papier und einem Stift erstellt werden, Vorbereitung ist dazu nicht nötig.

Auch ein Vorwissen ist nicht nötig, denn vom ersten Strich an entstehen kleine Kunstwerke.

Durch das Zeichnen in dem kleinen Rahmen wird die Feinmotorik trainiert, eine wunderbare Übung zur Verbesserung der Handschrift.

Das Hobby ist erweiterbar durch unzählige Muster und Variationen. Auch Farbe kann eingesetzt werden.

Kinder mit Konzentrationsproblemen haben es schwer

Natürlich habe ich auch diese Methode erst in meiner lerntherapeutischen Praxis mit einigen Kindern ausprobiert, bevor ich sie hier vorstelle. Viele meiner kleinen Klienten haben unter einer Konzentrationsschwäche zu leiden und trauen sich selber wenig zu. Ihre Schrift wird ständig kritisiert und auch ihr Verhalten stößt in der Schule immer wieder auf Ablehnung. Darauf reagieren sie entweder mit Rückzug oder mit Provokation. Beides bringt sie nicht weiter, sondern verstärkt nur die Abwärtsspirale. Um ihre Situation zu verbessern, brauchen diese Kinder unbedingt positive Rückmeldungen.

Beispiel: Marvin hat sein erstes Zentangle gemalt

Konzentration fördern zentangleDer große Vorteil eines Zentangle ist das garantierte Erfolgserlebnis, egal, wie lange ein Kind sich mit der Zeichnung beschäftigt. Der zehnjährige Marvin ist vor meinen Augen um einige Zentimeter gewachsen, nachdem er sein erstes Zentangle fertiggestellt hatte. Zunächst wollte er natürlich nicht malen, denn der Junge traut sich generell nichts zu. Ich machte es ihm also vor, und er schaute mir neugierig zu. Schon nach kurzer Zeit nahm er selber einen Stift in die Hand und versuchte es auch. Ganze 15 Minuten beschäftigte sich Marvin konzentriert mit seiner Zeichnung. Am Ende signierte er sie sogar stolz und gab ihr einen Titel. Natürlich haben wir das Bild in der Praxis aufgehängt.

Zentangles eignen sich als Lerneinstieg

Viele Kinder haben Schwierigkeiten damit, sich auf das Lernen einzustellen. Sie turnen lieber im Zimmer herum, als sich an den Schreibtisch zu setzen und mit den Hausaufgaben zu beginnen, oder für eine Klassenarbeit zu lernen. Diese Schülerinnen und Schüler profitieren davon, sich mit einer kleinen Konzentrationsübung auf die Lernhaltung einzustimmen. Ein Zentangle ist so eine Übung, mit der das Lernen angeschoben werden kann. Im Gegensatz zum Mandala, bei dem „nur“ ausgemalt wird, fördert das Zentangle nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Kreativität.

Schritt für Schritt zum ersten Zentangle

Geben Sie Ihrem Kind ein Blatt weißes Papier von 9 x 9 cm Größe (siehe Download-Hinweis). Nun benötigt es noch einen dünnen schwarzen Filzstift, beispielsweise einen Fineliner, und einen Bleistift. Für den Anfang ist das ausreichend. Später kommen noch ein paar bunte Stifte dazu, wenn das Gemälde farbig werden soll.

Schritt 1: Innerhalb des Blattes zeichnet Ihr Kind nun seine eigene Begrenzung. Es legt also selber die Größe seines Bildes fest.

Schritt 2: Jetzt zeichnet es innerhalb seines Rahmens eine dünne Linie, Schnur genannt, an der sein Bild entstehen wird. Das ist an Marvins Zentangle gut zu erkennen.

Schritt 3: Das Kind zeichnet nun entweder an seiner Schnur/Linie entlang immer gleiche Muster (Dreiecke, Quadrate, Kreise) oder wählt klassische Zentangle-Muster aus, wie beispielsweise Crescent Moon (Quelle: www.zentangle-muster.de)

zentangle zur förderung der konzentration

Uta Reimann-Höhn

uta reimann-höhnUta Reimann-Höhn ist Diplompädagogin und Mutter von 2 Söhnen. Sie leitet das Institut für Pädagogik und Lernen in Niedernhausen bei Wiesbaden. Sie hat über 20 Jahre Erfahrung in der wissenschaftlichen Arbeit und der praktischen Förderung von Schulkindern und berät nahezu täglich Eltern in Lern- und Erziehungsfragen – sowohl im persönlichen Gespräch als auch am Telefon oder per E-Mail.

Seit 1997 zeichnet die Diplom-Pädagogin verantwortlich für das Portal www.lernfoerderung.de und als Chefredakteurin von „Lernen und Fördern mit Spaß“ gibt Sie Eltern seit 2006 jeden Monat auf 12 Seiten wertvolle Informationen, die helfen, Kinder sinnvoll zu fördern, beim Lernen zu motivieren und mit Spaß zum Schul-Erfolg zu verhelfen.

Akademie für Lerncoaching
Albulastrasse 57
8048 Zürich

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!