Häufige Fehler PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Fabian Grolimund   

Selbstorganisiertes Lernen ist kein Allerheilmittel und schon gar keine Garantie für erfolgreiches Lernen. Damit diese Lernform effektiv ist und die Schüler motiviert mitarbeiten, muss sie richtig eingesetzt werden. Die folgenden Fehler sollten dabei verhindert werden:

Fehler 1: Es wird übersehen, dass selbstorganisiertes Lernen gelernt werden muss

Häufig wird übersehen, dass handlungsorientiertes, selbständiges Lernen eine Vielzahl an Kompetenzen voraussetzt (darunter je nach Methode Kommunikations-, Teamarbeits-, Selbstmanagament- und Präsentationskompetenzen). Werden diese nicht besprochen und ausreichend geübt, fehlt die notwendige Basis.
Fehler 2: Es wird zuviel auf einmal verlangt
Aus Fehler 1 folgt meist direkt Fehler 2. Da wir nicht erkennen, wie kompliziert und herausfordernd selbstorganisiertes Lernen ist, fordern wir zuviel auf einmal. Schüler, die sich eine Konsumentenhaltung angewöhnt haben, sehen sich z.B. plötzlich mit einem umfangreichen Projekt konfrontiert, welches von ihnen Fähigkeiten in den Bereichen Gruppenarbeit, Selbstmotivation, Zeiteinteilung, Planung, Präsentation, Recherche, Arbeitstechnik und Fachwissen erfordert. Dabei besteht jeder dieser Bereiche wiederum aus 5 bis 15 Einzelfertigkeiten. Das kann nur schiefgehen.
Fehler 3: Es wird nicht ausreichend geübt
Vielfach wird das selbstgesteuerte Lernen nur ab und zu eingesetzt oder es wird zu oft mit verschiedenen Methoden experimentiert. Damit selbstorganisiertes Lernen gelingen kann, müssen einzelne Kompetenzen so lange geübt werden, bis sie zur Routine werden. Dabei geht es nicht einfach darum, lange und oft zu üben, sondern zu überprüfen, ob die Kompetenz der Schüler zunimmt, und auf eine Weise zu üben, die dies ermöglicht.
Um ein Beispiel zu nennen: Wir können einerseits von einem Schüler verlangen, dass er während 4 Jahren jedes Semester einen Vortrag hält, den er selbst oder in einer Gruppe vorbereitet und für den er benotet wird. Dabei können wir darauf hoffen, dass die Schüler besser werden, und in den meisten Fällen feststellen, dass dies denjenigen gelingt, die zu Beginn schon ein gewisses Talent zeigten, während die Nervosität der weniger begabten zunimmt.
Wir könnten aber auch ein Teilziel setzen, welches z.B. im Erwerb einer Arbeitstechnik besteht. Bei der Präsentation bieten sich an: Wie gestalte ich eine gute Folie? Wie kann ich freier sprechen? Wie kann ich beim Vortrag meine Hände einsetzen? Diese Ziele können dann im Rahmen der Vortragvorbereitung schrittweise eingeübt werden mit dem Ergebnis, dass sich bei allen Schülern kleinere oder grössere Fortschritte einstellen (dies rührt daher, dass gerade weniger begabte und ängstliche Schüler darauf angewiesen sind, dass sie klare und kleine Ziele verfolgen können, Feedback erhalten und solange trainieren können, bis die Angst nachlässt und sie eigene Verbesserungen wahrnehmen können – ansonsten hüpfen sie von Misserfolg zu Misserfolg, wodurch zwar die Angst zunimmt, aber kaum etwas gelernt wird). Üben Sie mit Ihren Schülern lieber wenige Methoden gut ein, als viele ein wenig.
Fehler 4: Es werden ungünstige Gruppenbildungen zugelassen
Ein weiterer Fehler besteht darin, dass die Lehrperson es zulässt, dass sich ungünstige Gruppenkonstellationen herausbilden. Lässt man Schüler die Gruppe selbst bilden, schliessen sie sich oft zu Gruppen zusammen, die fruchtbares Arbeiten kaum zulassen. Wenig motivierte und verhaltensauffällige Schüler bilden meist eine Gruppe unter sich, die im weiteren Verlauf wenig zustande bringt, dafür den Unterricht umso massiver stört. Zur Gruppeneinteilung eignen sich Los- und Abzählverfahren.
Fehler 5: Es fehlt an Struktur und klaren Verantwortlichkeiten
Die Begriffe selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen täuschen über eine wichtige Tatsache hinweg: Die Schüler übernehmen weder die Organisation noch die Verantwortung ganz, sie teilen sich diese mit dem Lehrer. Dabei sollte langsam und behutsam eine Verantwortungsverschiebung vom Lehrer zu den Schülern stattfinden. Wird den Schülern zu schnell zu viel Verantwortung aufgetragen, kann es sein, dass sie diese nicht annehmen werden. Das heisst: Beginnen Sie, indem Sie Ihren Schüler zunächst wenig Freiraum und Verantwortung geben, um diese schrittweise zu erhöhen, sobald Sie das Gefühl haben, dass Ihre Schüler damit umgehen können.
 

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