Tipps für Fremdsprachen

Vom Hörverstehen bis zum Wörterlernen: Hier erhalten Sie nützliche Tipps zur Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen...

Wenn wir in unseren Seminaren über Lernstrategien sprechen, ist es immer wieder interessant zu beobachten, wieviele Ideen die Schüler haben, wie sie sich in einem bestimmten Fach verbessern könnten und wie selten sie diese in die Tat umsetzen. Ein Paradebeispiel hierfür ist zum Beispiel die Karteikärtchenbox. Schon beim Erlernen der ersten Fremdsprache weisen nahezu alle Lehrkräfte darauf hin, dass das Wörterlernen mit Karteikarten eine effektive Strategie zum Vokabeln pauken ist. Dennoch möchte ich die Behauptung aufstellen, dass nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler darauf zurückgreifen. Wieso? „Weil es langweilig ist“, „Weil es eh nix bringt“, „Weil mir schon die Lust vergeht, wenn ich den Kartenstapel nur ansehe“. Lassen Sie uns diese Gedanken etwas näher ansehen.

Eltern, die bemerken, dass die Lücken Ihrer Tochter/Ihres Sohnes in einer Fremdsprache immer größer werden, drängen nicht selten dazu, „endlich mal die Wörter zu lernen“. Damit haben sie nicht ganz Unrecht, sind doch die Vokabeln die Basis, um eine Sprache überhaupt verstehen zu können. Häufig weigern sich Schüler jedoch, weil es ihnen zu mühsam ist, sie schlichtweg keine Lust haben oder sie den Eindruck haben, dass die Lücken in Grammatik & Co bereits so groß sind, dass es die Kenntnis der Vokabeln „auch nicht mehr rausreißt“. Wie können wir dieser Einstellung als Eltern, Lehrer oder Lernberater begegnen? Vielleicht können Ihnen die folgenden Anregungen helfen:

Ein bisschen ist mehr als gar nichts!

Klingt einfach, kann aber durchaus große Effekte erzielen. Fragen Sie Ihr Kind, wieviele Wörter pro Tag es lernen könnte ohne dies als Zumutung zu empfinden (dies sollten maximal 5 sein, um die Motivation auch langfristig zu erhalten). Wenn Sie Ihr Kind davon überzeugen können, pro Tag z.B. 5 Karteikarten mit Wörtern vor dem Schlafengehen zu lernen/wiederholen, ist bereits ein guter Grundstein gelegt. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Vokabelapps, mithilfe derer man einen Zettelkasten auf dem Smartphone anlegen kann, beispielsweise "Quizzlet" oder "Card2brain".

Wenn es schon in der Grammatik hapert, kann ich mit Vokabeln glänzen!

Nicht selten sind durch massive Lücken in der Grammatik die Noten von Schülerinnen und Schülern, die mit Fremdsprachen Mühe haben, in diesen Fächern im unteren Bereich angesiedelt. Wir haben aber auch immer wieder Jugendliche in unseren Seminaren und den Lernberatungen, die die folgende Strategie verfolgen: „Wenn ich schon in der Grammatik und im Diktat schlechte Noten sammle, dann versuche ich sie zumindest durch gute Leistungen in den Vokabelabfragen und –tests auszubügeln.“ Eine derartige Einstellung kann gerade für fleißige, aber dennoch leistungsschwache Schüler unglaublich befreiend wirken, wenn auf der Ebene des „Grammatik-Lücken-Schließens“ wenige Erfolgserlebnisse erfahrbar sind (wie Grammatik-Probleme möglichst effektiv aufgearbeitet werden können, erfahren Sie hier).

Negative Gefühle abbauen- Die Sprache mit in die Freizeit nehmen

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, tun auch wir am liebsten Dinge, in denen wir kompetent sind, für die wir gute Rückmeldungen bekommen und die uns Freude bereiten. Die meisten Menschen sind nicht gerade begeistert, wenn sie sich Tätigkeiten stellen müssen, die ihnen schwer fallen, mit denen sie sich überfordert fühlen und die jeglichen Spaß vermissen lassen.

Für leistungsschwache Schüler in einer Fremdsprache heißt dies: Sich im Englisch-Unterricht zu Wort zu melden ist unter Umständen mit Schamgefühlen verbunden, weil sie merken, dass die Grammatik mangelhaft ist, weil Mitschüler über ihre Aussprache lachen o.ä. Das heißt Fremdsprachen lernen bedeutet für leistungsschwache Schüler auch immer eine Auseinandersetzung mit etwas, das „peinlich oder unangenehm“ ist. Zudem habe ich den Eindruck, wenn ich auf meine eigene Schulzeit am Gymnasium zurückblicke, dass es immer noch sozial anerkannter ist „Mathe einfach nicht zu checken“ als in Englisch oder Französisch mit fehlerhaftem Satzbau und akzentbehafteter Sprachmelodie „draufloszustammeln“. Was können wir für diese Schüler und Schülerinnen tun?

Es sollte vorerst nicht darum gehen, in der nächsten Schulaufgabe sofort eine bessere Note zu erzielen, sondern die Motivation zu schüren und eine gewisse Vertrautheit mit der Fremdsprache zu gewinnen. Dies kann sich auch positiv auf die weitere Lern- und Anstrengungsbereitschaft des Jugendlichen auswirken. Ganz konkret denke ich an eine Englischlehrerin, die uns regelmäßig mit aktuellen Liedern aus den Charts versorgte, die sie uns am Anfang der Stunde vorstellte. Anschließend übersetzten wir den Liedtext gemeinsam und diskutierten darüber. Diese Stunden waren für uns Schüler ein richtiges Highlight- keine langweilige Grammatik, sondern das Erlebnis, dass Englisch auch Spaß machen kann. Wenn Sie Anregungen dazu möchten, wie Sie das Erlebnis „Oh, das bringt mir ja doch etwas. Englisch kann ja auch Spaß machen.“ als Eltern oder Lehrer unterstützen können, können Ihnen die folgenden Aspekte einige Anhaltspunkte geben:

  • Bücher

Wer gerne liest, findet an Büchern in Originalsprache sicher schnell Freude. Selbst wenn nicht jedes einzelne Wort verstanden wird, so trägt der Schüler doch dazu bei, das Wort- und Satzverständnis zu erweitern. Je nach Vorliebe gibt es in Buchhandlungen Fremdsprachenbücher ganz verschiedener Genres (Fantasy, Drama, Thriller, Komödie...) in verschiedenen Sprachniveaus. Eine Möglichkeit wäre es, Ihrer Tochter/ Ihrem Sohn anzubieten, ihm ein Buch auf z.B. englisch zu bezahlen, welches sie/er sich selbst aussuchen darf. In den unteren Schulklassen kann die Leselust unterstützt werden, indem Sie Ihr Kind zwischen zwei Alternativen entscheiden lassen: „Mia, wenn du jetzt ins Bett gehst kannst du entweder gleich das Licht löschen oder noch 15 Minuten aufbleiben und in deinem Buch lesen.“ Mia wird sich sehr wahrscheinlich dafür entscheiden, noch 15 Minuten länger aufbleiben zu wollen und zu lesen. Nach 15 Minuten können Sie dann noch einmal in das Schlafzimmer kommen und ein kleines Lob anbringen „Mensch, jetzt bist du ja schon ganz schön weit gekommen! Hast du das Lesezeichen? Super, dann mach ich noch das Licht aus.“

  •  Filme/Serien

Eine weitere Anregung für Ihre Schüler/Ihr Kind könnte es sein, Filme oder die Lieblingsserie in der Fremdsprache (bei Bedarf mit Untertiteln) auszuleihen und anzusehen. Hier gibt es erfahrungsgemäß wenig Widerstand seitens der Jugendlichen. So können Lernaspekte in den positiven Freizeitkontext integriert werden. Natürlich könnten Sie auch zum nächsten Geburtstag eine DVD-Box der Lieblingsserie in Originalsprache verschenken. Am Anfang kann es sinnvoll sein, die Serie mit Untertiteln anzusehen, damit die Rahmenhandlung umrissen werden kann, nach längerer Zeit klappt es sicherlich auch ohne.

  •   Radio

Einem Sendeprogramm eines ausländischen Radiosenders zu folgen kann helfen, ganz nebenbei das Hörverständnis deutlich zu verbessern. Sie können dem Jugendlichen beispielsweise raten, einen französisch- spanisch oder englischsprachigen Sender auszuwählen, welcher nach seinem Musikgeschmack ist. Durch die Möglichkeit des Internetradios ist die Auswahl so umfangreich, dass beinahe jeder junge Mensch ein geeignetes Programm finden sollte.

Die Sprachproduktion verbessern

Wenn Schüler und Schülerinnen insbesondere Probleme mit der Sprachproduktion haben, sich nicht trauen sich in der Fremdsprache zu unterhalten oder Diskussionen und Gespräche im Unterricht meiden, so kann ein Tandem, ein Sprachaufenthalt oder eine Brieffreundschaft im Ausland sinnvoll sein. Da jedoch gerade in kleinen Städten erfahrungsgemäß kein großes Angebot an Tandem-Partnern vorhanden ist, bei dem der Jugendliche sowohl als Lehrer (z.B. für deutsch) als auch als Schüler (z.B. für spanisch) fungiert, sind die Möglichkeiten hier beschränkt. Brieffreundschaften können über eigens dafür eingerichtete Online-Börsen deutlich leichter gefunden werden. Die „Königsdisziplin“ zur Verbesserung der Sprache ist selbstverständlich der Aufenthalt im Ausland selbst in einer Gesellschaft mit der die Kommunikation in der für den Jugendlichen eigenen Muttersprache nicht möglich ist. Sprachaufenthalte können so helfen Sprachbarrieren abzubauen, Vertrauen in die eigenen Kenntnisse zu gewinnen, den Wortschatz zu erweitern und eine andere Kultur kennen zu lernen.

Eine einfache Anregung, die sich außerdem positiv auf die Note des Kindes auswirken könnte wäre, die Frage an Tochter oder Sohn, ob er sich vorstellen könnte sich im „Problemfach“ wenigstens einmal pro Unterrichtsstunde zu melden und etwas zum Unterricht beizutragen. Willigt er ein, könnten Sie versichern, dass Sie dies auch bei der Lehrkraft am Elternsprechtag ansprechen würden und ihm gegebenenfalls eine Belohnung in Aussicht stellen.

Ob das Kind bzw. der Jugendliche Ihre Vorschläge annimmt, liegt wie Sie wissen nur bedingt in Ihrer Hand. Wenn Sie jedoch zeigen, dass Sie sich auch über kleine Bemühungen seinerseits freuen und auch individuelle Fortschritte honorieren, so wird es wahrscheinlicher, dass Ihr Kind Ihre Anleitungen umsetzt.

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Autorin dieses Artikels: Stefanie Rietzler

Stefanie Rietzler ist Psychologin und leitet die Akademie für Lerncoaching gemeinsam mit ihrem Kollegen Fabian Grolimund. 

Stefanie Rietzler Fabian Grolimund Konzentration

Das Experten-Team führt Seminare für ElternWeiterbildungen für Fachpersonen sowie Vorträge an Schulen rund um das Thema Lernen durch. Die beiden verbindet eine große Begeisterung und Leidenschaft für das Schreiben von Büchern.

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