Grammatik wiederholen

Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie als LehrerIn oder LernberaterIn Jugendliche beim Lernen von Fremdsprachen unterstützen können.

Lesen Sie, wie Sie Jugendliche und Erwachsene dazu anleiten können:

  • Sich in Grammatik zu verbessern

Was interessiert Schüler, wenn sie ihre Prüfungen zurückerhalten?

Die Note!
Da geben sich Lehrkräfte alle Mühe, die Art der Fehler zu bezeichnen und dem Schüler eine klare Rückmeldung zu geben – und die Schüler schauen nicht hin. 
Sie sind nicht in der Lage oder nicht motiviert, diese Informationen sinnvoll zu nutzen.
Als LehrerIn oder LernberaterIn können Sie den Schülern vermitteln, wie wichtig dieses Feedback ist und wie gut es sich nutzen lässt, um Grammatik-Fehler zu reduzieren und in der nächsten Prüfung besser abzuschneiden. Aus Fehlern wird man schliesslich nur klug, wenn man sie sich anschaut.
In unseren Beratungen und Lerntrainings hat sich das folgende Vorgehen bewährt:
Als erstes verdeutlichen wir Lernenden, dass sich ihre Fehler sehr ungleich verteilen. Wir fragen Sie danach, ob sie auch „Lieblingsfehler“ haben, die sie besonders oft begehen. Die meisten Schüler können hierzu einige Beispiele von Regeln benennen, die die Ursache für viele Ihrer Fehler sind. Ich selbst wusste beispielsweise im Latein zu keinem Zeitpunkt den Unterschied zwischen Gerundiv und Gerundium – was in jeder Prüfung für Fehler sorgte – dennoch habe ich diese Regel nie auf eigene Faust wiederholt, sondern mich lediglich jedes Mal darüber aufgeregt.
Wir erstellen darauf hin mit ihnen zusammen ein Blatt mit allen Grammatik-Regeln, die sie bisher gelernt haben – bestehend aus drei Spalten:
  • Name oder Beschreibung der Regel
  • Seiten im jeweiligen Grammatik- und Übungsbuch, auf der die Regel zu finden ist
  • Anzahl der Fehler, die sich auf diese Regel zurückführen lassen
Am Ende dieser Seite finden Sie ein Beispiel für eine solche Analyse, die Nora Völker zusammen mit einer Gruppe von SchülerInnen erarbeitet hat. Die Fehlerklassifikation nach Nomen, Verb etc. war eine Idee der SchülerInnen. Das Schema ist umfangreich, da es sich um eine Gruppe handelte, die kurz vor dem Abitur stand.
Sie können das Schema übernehmen - viel effektiver ist es jedoch, wenn Sie mit den SchülerInnen ein eigenes erarbeiten, das nur die Regeln beeinhaltet, die bisher gelernt wurden und die dritte Spalte mit den jeweiligen Seiten im Buch und Übungsheft enthält. Den SchülerInnen gelingt zudem die Zudordnung der Fehler leichter und schneller, wenn sie das System selbst erstellt haben, als wenn sie sich in die Logik eines fremden Schemas eindenken müssen. 
Ist das Schema erstellt, machen wir uns an die Analyse und werten zusammen mit den SchülerInnen ihre Prüfungen und Aufsätze aus: Jeder Grammatik-Fehler wird einer Regel zugeordnet – pro Fehler gibt es einen Strich in Spalte 3.
Schon bald ergeben sich klare Muster: Die Striche verteilen sich sehr ungleichmässig und die Schüler sehen immer deutlicher, dass einige wenige Regeln die meisten Fehler verursachen.
Die Ergebnisse können anhand eines Balkendiagramms noch deutlicher hervorgehoben werden.
Die Ungleichverteilung erstaunt die Schüler immer wieder von neuem – und motiviert sie, die Regeln zu wiederholen, die die Fehlerzahl in die Höhe treiben.
 

Wiederholungswoche

Als Lehrkraft könnten Sie einmal pro Jahr eine oder zwei „Wiederholungswochen“ nach diesem Prinzip gestalten.
Dazu nehmen alle Schüler ihre Prüfungen und Aufsätze mit, die sie im aktuellen Jahr geschrieben haben und werten diese mit Hilfe der Fehleranalyse aus.
Danach können entweder individuelle Ziele oder Klassenziele erarbeitet werden.
 

Individuelle Ziele

Jeweils zwei SchülerInnen, denen die gleichen Regeln Mühe bereiten, arbeiten die Regel bzw. die jeweilige Etappe des Grammatik-Buchs zusammen auf und erstellen für den anderen am Ende der Wiederholungswoche eine Prüfung zu dieser Regel. Hier würde ich darauf achten, dass die SchülerInnen die Gruppen nicht selbst bilden können – gerade beim selbständigen Arbeiten sind Teams, die aus Freunden bestehen, meist nicht besonders effektiv.
 

Klassenziele

Hierzu werden die Fehlerzahlen der Schüler addiert und auf einer gemeinsamen Fehleranalyse festgehalten. Als Ergebnis resultieren Grammatikregeln, die in der Klasse für die meisten Fehler sorgen. Die Wiederholungswoche(n) werden investiert, um diese Regel(n) mit der gesamten Klasse aufzuarbeiten und am Ende zu überprüfen.
Als LehrerIn erhalten Sie durch die Analyse mit der Zeit auch eine Rückmeldung, bei welchen Etappen es sich lohnen würde, mehr Zeit zu investieren und welche weniger ins Gewicht fallen, da die Regeln kaum je zur Anwendung kommen.

Autor dieses Artikels: Fabian Grolimund

Fabian Grolimund ist Psychologe und leitet gemeinsam mit seiner Kollegin Stefanie Rietzler die Akademie für Lerncoaching in Zürich. 

Beide verbindet die große Begeisterung und Leidenschaft für das Schreiben von Büchern und für die Entwicklung neuer Projekte. Das Experten-Team bietet Seminare für Eltern, Weiterbildungen für Fachpersonen und Vorträge an Schulen rund um das Thema "Lernen" an.

  • Autor: Fabian Grolimund

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