Lernbehinderung

Hinter dem Begriff der Lernbehinderung verbergen sich schwere und ausgeprägte Lern- und Leistungsprobleme, die in (fast) allen Schulfächern, z.B. im Lesen, Rechnen sowie Schreiben auftreten und überdauernd sind. Kinder mit einer Lernbehinderungen liegen von ihrem Leistungsniveau her trotz ausreichender Beschulung etwa 2-3 Schuljahre hinter den Gleichaltrigen zurück. Diese Rückstände sind nicht auf eine Sinnesschädigung (z.B. ein eingeschränktes Gehör oder Sehprobleme) zurückführbar, die das Aneignen von Wissen erschwert.

Im Gegensatz zu den Lernstörungen Dyslexie, Dyskalkulie oder Legasthenie geht eine Lernbehinderung immer mit einem Defizit in der allgemeinen Intelligenz einher. Der Intelligenzquotient der Betroffenen liegt unter dem Durchschnitt bei einem Wert zwischen 55 und 85. Studien legen nahe, dass etwa 15.7% der Kinder eine verminderte Intelligenz haben und dass circa 2,4%, der Kinder von einer Lernbehinderung betroffen sind. Prinzipiell verteilt sich die Lernbehinderung ungleich zwischen den Geschlechtern: es sind mehr Jungen als Mädchen von ihr betroffen. 1/3 der Betroffenen zeigen weitere Auffälligkeiten wie Störungen des Sozialverhaltens, Hyperkinetische Störungen oder tiefgreifende Entwicklungsstörungen.

Es gibt gewisse Auffälligkeiten, die an eine Lernbehinderung denken lassen:

  • Langsames Arbeitstempo
  • Geringer Lernumfang
  • Schnelleres Vergessen
  • Ausgeprägte Schwierigkeiten bei abstrakten Aufgaben
  • Geringer Transfer des Gelernten

Eine Lernbehinderung geht ausserdem häufig mit

  • Eingeschränkten Sprachfertigkeiten
  • Beeinträchtigter oder stark vereinfachter Wahrnehmungs- und Vorstellungsfähigkeit
  • Leichter Ablenkbarkeit
  • Emotionaler Instabilität
  • Schwierigkeiten in der Gefühlsregulation
  • Verhaltensauffälligkeiten (Aggressivität, Distanzlosigkeit, soziale Probleme)

einher.

Die Ursachen einer Lernbehinderung sind vielfältig und ergeben sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. In der Forschung werden genetische Einflüsse, Umgebungsfaktoren und hirnorganische Prozesse als Einflussfaktoren diskutiert.

Wie wird eine Lernbehinderung diagnostiziert?

Die Abklärung erfolgt durch professionelle Fachpersonen, z.B. (Schul-) Psychologen. Standardisierte Testverfahren im Lesen, Schreiben und Rechnen geben Aufschluss darüber, wie sich die Leistung des Kindes im Vergleich mit Gleichaltrigen und selber Beschulungszeit, der sogenannten Normstichprobe, verhält. Zudem wird die allgemeine Intelligenz mithilfe eines Intelligenztests, z.B. des Hamburg- Wechsler- Intelligenztest (HAWIK) für Kinder ermittelt. Verschiedene Untertests erfassen unterschiedliche Bereiche, z.B. das Allgemeinwissen, die Arbeitsgedächtniskapazität, die Verarbeitungsgeschwindigkeit, verbale Fähigkeiten, abstraktes Denken usw. Auch die Befragung der Eltern und Lehrkräfte und eine gemeinsame Analyse der Schulleistungen des Kindes sind wichtige Bestandteile der Diagnostik. Im Rahmen der psychologischen Diagnostik werden ausserdem Verhaltensauffälligkeiten erfasst, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auftreten, wenn eine Lernbehinderung vorliegt. Eine medizinische Abklärung ist unerlässlich, um auszuschliessen, dass Sinnesschädigungen für die Lernprobleme verantwortlich sind.

Wenn eine Lernbehinderung vorliegt, kann eine geschulte Fachperson (z.B.Heilpädagogin) eine geeignete Fördermassnahme einleiten. Um einen individuellen Unterstützungsplan erarbeiten zu können, wird die Fachperson in einem ersten Schritt das Lernverhalten des Kindes beobachten und auswerten. Es wird erhoben, wie der/ die Betroffene mit Misserfolgen und Frustrationsgefühlen umgeht und wie er/ sie über sich selbst und seine Leistungen denkt. Ein wichtiger Aspekt ist ausserdem das Kennenlernen der Rahmenbedingungen, in denen das Kind lernt. Dabei stehen Fragen im Zentrum wie: „Wo lernt das Kind unter welchen Bedingungen? Wie sieht der Unterricht aus? Wie und von wem wird das Kind betreut?“ Die Fachperson wird immer auch einen Blick auf die Ressourcen des Betroffenen werden. Neben Fragen, wer das Kind fördern und unterstützen könnte, ist es darüber hinaus wichtig, auch individuelle Stärken zu erkennen, zu würdigen und zu fördern, um das Selbstvertrauen wieder neu aufbauen zu können. Auf Seiten der Eltern wird die Fachperson sich darum bemühen, den Aufbau eines Unterstützungsnetzwerkes zwischen Schule, Eltern und Umfeld zu begünstigen. In individuellen Fördereinheiten kann das Kind nun dabei unterstützt werden, sich geeignete Lernstrategien anzueignen und besser mit Misserfolgen und Frustrationserlebnissen umgehen zu können.

 Autorin: Stefanie Rietzler

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